Aufsatz 
Über die Entstehung und die geographischen Grenzen der romanischen Sprachen im Allgemeinen und der französischen Mundart insbesondere
Entstehung
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dort erkennt man die deutſchen Familien noch ſehr gut; allein ſeit dem Jahr 1840 iſt die deutſche Sprache vollends verſchwunden.*)

Von den 50,000 Gitanos(Zigeuner), die in der ſpaniſchen Halbinſel zerſtreut ſind, und welche ihre Sprache, ſo wie ihre Volksthümlichkeit allmälig verlieren, kann in dieſer Skizze nicht wohl die Rede ſein.

Das Gebiet der ſpaniſchen Sprache außerhalb Europa hat eine ſehr große Aus⸗ dehnung. Was einſt jener ſtolze ſpaniſche Monarch von ſeinen Staaten ſagte: die Sonne gehe nie in ſeinen Staaten unter, iſt allerdings heute noch auf die ſpaniſche Sprache anwendbar; denn die ſpaniſche Sprache finden wir von den Inſeln des ſtillen Meeres im äußerſten Oſten bis Californien im äußerſten Weſten. Gehen wir nunmehr in das Einzelne ein, ſo finden wir dieſelbe, wenn auch nicht ohne Miſchung der einheimiſchen Sprachen, in folgenden Städten an der Nordküſte von Afrika: Ceuta, Penon de Pelez, Alhucemas, Tanger eingebürgert; dann auf den Kanariſchen Inſeln und jenſeits des Atlantiſchen Meeres auf Cuba, Puerto Rico, im öſtlichen Hayti und vielen weſtindiſchen Inſeln, wo das Spaniſche von dem Engliſchen noch nicht ganz verdrängt werden konnte. Auf dem Feſtlande von Amerika finden wir die ſpaniſche Sprache in Tejas, auf Florida, in Mejico, Guatimala, Columbia, Bolivia, Peru, Chili, La Plata und Paragugy.

Zur Zeit, als das Haus Habsburg in Spanien zur Herrſchaft gelangte, hatte die ſpaniſche Sprache eine große Zukunft vor ſich; ſchon unter Karls V. Regierung war ſie weit und breit an den Höfen verbreitet; es gehörte zum guten Ton, dieſe Sprache zu kennen und zu ſprechen. Der Kaiſer ſelbſt und ſein Bruder Ferdinand correſpondirten meiſtens in ſpaniſcher Sprache,**) und welch weit größeres Gebiet hätte die Sprache zu erwarten gehabt, wenn Karls V. Träume über die Weltherrſchaft in Erfüllung gegangen wären, wie Hernando de Uleuna, ein Dichter und Krieger, es die⸗ ſem Monarchen verkündigte:

Un Monarca, un Imperio, y una Espada.

Der Glanzpunkt der ſpaniſchen Sprache dauerte bis zu Ende des XVIIin Jahrhunderts.

5. Portugieſiſch. So ſehr auch die Portugieſiſche Sprache der Caſtilianiſchen ähnlich iſt, ſo können wir nicht umhin, ſie wegen ihrer grammatikaliſchen Züge, wegen der Aufbewahrung einer Menge lateiniſcher Wörter, die, wenn auch im Portugieſiſchen ganz verunſtaltet, in den übrigen romaniſchen Sprachen nicht vorkommen, endlich wegen der Ausſprache, die im Spaniſchen ſo wohlklingend und kräftig lautet, während im Por⸗ tugieſiſchen die Gurgellaute durch Ziſchlaute, die reinen volltönenden Vocale durch Naſen⸗ laute erſetzt ſind, als eine ganz beſondere Sprache anzuſehen. Wann und wie dieſe Sprache entſtanden iſt, und warum ſich dieſelbe in einer ſo auffallenden Weiſe von der Hauptmundart der Pyrenäiſchen Halbinſel entfernt hat, darüber herrſchen nur Ver⸗ muthungen, und eine geſchichtliche Gewißheit iſt nur ſpärlich vorhanden.

So wie im Nordoſten der ſpaniſchen Halbinſel der Kampf gegen die Mauren von Karl dem Großen an bis zur vollſtändigen Befreiung von Catalonien ununter⸗ brochen gedauert hatte, an welchen Zügen zahlreiche franzöſiſche Ritter ſtets Theil ge⸗ nommen hatten, ſo finden wir auch im Nordweſten der pyrenäiſchen Halbinſel ein ganz

*) Darüber IBordw, The Bible in Spain undTirocinium eines deutſchen Offiziers in Spanien, Stuttg..

**) Correſpondenz des Kaiſers Karl V. aus dem königlichen Archiv und der Biblioth èque de Bour- gogne zu Bruͤſſel, von Dr. Karl Lanz. Leipzig 1844.