36
bemerkt, erſchien el Poema del Cid ebenfalls am Anfang des XIIIte Jahrhunderts und von nun an hörte die Caſtiliſche Sprache nicht mehr auf, ſich literariſch zu ent— wickeln. Der Aragoniſche Dialekt, welcher eine Mittelſprache zwiſchen der Caſtili⸗ ſchen und der Catalaniſchen Mundart war, ſich aber mehr der letztern näherte, hörte auf, ihre Bedeutung zu haben, ſobald beide Königreiche Caſtilien und Aragonien verei⸗ nigt wurden, und Kaiſer Karl V. erklärte die Caſtiliſche Mundart als die allgemeine Sprache für ganz Spanien*). Die Catalaniſche Mundart, welche faſt ganz mit der Proven⸗ zaliſchen Mundart übereinſtimmt, erſtreckt ſich auf das Königreich Valencia, deſſen Dialekt mit dem Catalaniſchen übereinſtimmt und nur noch lieblicher und weicher ausgeſpro⸗ chen wird; ferner finden wir auch die Catalaniſche Mundart in Valladolid, einer Fabrikſtadt, die mit ungefähr 300 Catalaniſchen Familien bevölkert iſt, auf den Pithyuſiſchen(Iviza, Formentera) und Baleariſchen Inſeln(Mallorca, Minorca) und ſogar auf der Inſel Sardinien, in Algheri. Die Galleganiſche oder Galliziſche Mundart, nördlich von Portugal, welche halb portugieſiſch halb ſpaniſch iſt,**) die Aſturiſchen, Leo⸗ niſchen Dialekte, die Mundart des Königreichs Murcia, ein Uebergang des Catala⸗ niſchen zum Caſtiliſchen, das Andaluſiſche, in welchem am Meiſten noch Spuren des Arabiſchen vorkommen, werden nur noch als Patois auf dem Lande oder in kleine⸗ ren Städten geſprochen.
Die Maragatos(Mauriſche Gothen) mit dem Hauptort Aſtorga bilden im öſtlichen Theil des Königreichs Leon ein eigenthümliches Volk, das, wenn gerade nicht die Sprache, doch noch ganz den gothiſchen oder germaniſchen Charakter hat. Man vermuthet, es ſei dort eine Abtheilung Gothen von den Arabern umringt worden, und zwar ſo, daß ſie nicht allein die Religion der Sieger annehmen mußten, ſondern daß ſie ſich mit der Zeit an ihre Sitten, Gebräuche, ſogar an ihre Kleidung gewöhnten, wovon man jetzt noch bei ihnen Spuren findet;— ihre Sprache iſt zwar die des Landes, die Spaniſche, allein die Ausſprache iſt ſchwer und träg; ſie ſind nicht raſch und lebhaft, ſei es im Sprechen oder Denken, ſei es in ihren Bewegungen, allein ſie ſind durchaus kräftig und tapfer; auch die deutſche Treue und Biederkeit beſitzen ſie im höchſten Grad.***½)
In Andaluſien findet man einige deutſche Anſiedelungen, die von dem Jahr 1769 datiren; die bedeutendſten ſind la Luisiana, la Carlota, la Carolina, dann einige Gehöfte;
*) In Mayans„Origines de la lengua española, compuestos por varios autores, recogidos por Gregorio Mayans y Siscar“ finden wir folgende Beſtätigung:„Digo perfetamente, para distin- guir la Lengua Espanola de la Aragonesa, la qual podrã ser propria, y perfeta en el Reino de Aragon perdò no Lengua general de Espana; siendo cierto que los doctos no convienen en que lo sea; sino la che por otre nombre Hlamamos Castellana, por ser la propria de las Castillas, y singolarmente de la Vieja, donde se habla con mayor pureza por comerciar con menos Estrangeros..... De la vecindad, y trato de los Aragones, y Estellanos, nace la gran conformidad entre una y otra Lengua, Aragonesa, y Castillana: aunque antiguamente la Aragonesa se conforma mucho mas con la Valenciana; o, por decirlo mejor, era Limosina.
**) Ein höchſt intereſſantes Werk über die ethnographiſchen Zuſtände der ſpaniſchen Halbinſel iſt die Beſchreibung, welche Georg Borrow entwirft in ſeinem Werk The Bible in Spain, or the Jour- neys, adventures, and Imprisonments of an Englishman, in a attempt to circulate the Scripture in the Peninsula.“— Dieſe Reiſe machte er um das Jahr 1838.— Ueber die Galliziſche Sprache ſpricht er ſich in folgender Weiſe aus:„What a strange tongue is the Gallegan with its half singing, half whining accent, and with its confused jumble of words from many languages, but chiefly from the Spanish and Portuguese..... I have heard the Gallegan say that in no two villages it is spoken in one and the same manner, that very frequently they do not understand each other.“
**) Borrow, The Bible in Spain II. 95.


