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zeigte ſich dennoch die Staatskunſt der Römer großmüthiger als gegen Spanien. Die Städte Tarragona, Cartagena, Cordova, namentlich Cadix, blühten wie die Städte Italiens; in keiner römiſchen Provinz hatte ſich die lateiniſche Sprache ſo ausgebildet wie in Spanien; ein Spanier, Portius Latro, gebürtig aus Cordova, eröffnete in Rom die erſte jener berühmten Schulen der Rhetorik. Viele römiſche Dichter, Red⸗ ner, Geſchichtſchreiber waren Spanier. Seit Auguſtus fand in Spanien keine Verän⸗ derung ſtatt, bis die römiſche Macht durch die Horden des Nordens gänzlich geſtürzt wurde. Nun fielen im vierten Jahrhundert die Barbaren ein. Zuerſt erſchienen die Vandalen, die Alanen, die Sueven, die in jenem Lande furchtbar hauſeten, ſich jedoch nicht lang aufhielten, und im Jahre 411 von den Weſtgothen erſetzt wurden, welche, obgleich ſie auch Barbaren waren, ſich milder zeigten, als ihre Vorgänger. In demſelben Jahrhundert hörte der letzte weſtrömiſche Kaiſer auf zu regieren, und die weſtgothiſchen Könige betrachteten ſich als alleinige Herren von Spanien und als die Träger des römiſchen Staatsweſens. Von dieſem Zeitpunkt rührt das allmälige Ver⸗ ſchwinden der römiſchen Kultur, der Literatur und der klaſſiſchen Sprache her. In Spanien that die chriſtliche Geiſtlichkeit nicht ſo viel, wie die in Rom, um die lateiniſche Sprache in ihrer Reinheit zu erhalten. Als die Weſtgothen in Spanien erſchienen, waren ſie ſchon Chriſten und ſie brachten Ulphilas' Ueberſetzung der heiligen Schrift mit; dazu kommt noch, daß die Geiſtlichen, welche bei ihren Bekehrungen mehr mit dem niedrigen Volke zu verkehren hatten, ſich deſſen Sprache(lingua Romana rustica) angewöhnen mußten, und die reinere Sprache kam dadurch bald in Vergeſſenheit. Der heilige Iſidor von Sevilla, welcher 636 ſtarb, war der letzte ſpaniſche Geiſtliche, der es verſucht hat, reines Latein zu ſchreiben; dabei hatte gerade dieſer Erzbiſchof eine ſchlimme Meinung von den heidniſchen Schriftſtellern des klaſſiſchen Alterthums und er unterſagte es den Geiſtlichen, ſolche Schriften zu leſen: ſo verſchwand in Spa⸗ nien die römiſche Schriftſprache, um der lingua vulgaris Platz zu machen. Alsdann geſchah in Spanien, was in andern romaniſirten Ländern ſich zugetragen. Die Sieger, die Weſtgothen, hatten ihre Sprache mitgebracht, ſogar die Ueberſetzung der Bibel und 484 ein Strafgeſetzbuch, zu welchem noch 506 ein bürgerliches Geſetzbuch hinzukam, und dennoch verſuchten ſie ebenfalls vergebens ihrer Sprache die Oberhand zu ver⸗ ſchaffen; das römiſche Element blieb, und die Weſtgothen hatten nur den Ruhm, eine größere Anzahl gothiſcher oder germaniſcher Wörter der ſpaniſch⸗romaniſchen Sprache damals einverleibt zu haben, was ſich aber ſpäter durch das arabiſche Element anders geſtaltete.
Unterdeſſen kam über Spanien ein furchtbarer, ganz außerordentlicher Einbruch von fremden Völkern. Die Araber, deren Schickſal und Daſein als Volk im Jahre 622 noch höchſt ungewiß war, hatten in weniger als einem Jahrhundert ſich der Städte und Küſten Nord⸗Afrikas bemächtigt und waren 711 mit einem großen Heer bei Gibraltar gelandet; ſie hatten bei Terez de la Frontera die Chriſten vollſtändig geſchlagen und drei Jahre nachher waren ſie im Beſitz der ganzen Iberiſchen Halbinſel mit Ausnahme der nordweſtlichen Gebirgsgegend, die allein unter Pelayo einen kräftigen Widerſtand leiſten konnte. Dennoch blieben viele Chriſten in der Ebene und, da ſie doppelte Abgaben und eine beſondere Abgabe für die Erlaubniß, ihren Gottesdienſt zu halten, den Arabern entrichteten, fuhren ſie fort, als Chriſten mitten unter den Muſel⸗ männern zu leben und mit Ausnahme des religiöſen Glaubens, dem ſie treu blieben, nahmen ſie gar manches von dem arabiſchen Volkscharakter und namentlich vieles von der arabiſchen Sprache anz daher ein Beſtandtheil mehr für die ſpaniſch⸗roma⸗ niſche Sprache. Die erſten Proben des Spaniſchen kommen erſt im XlIIien Jahrhundert
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