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lassen. Denn die Terrasse hat sich da gebildet, wo weichere, der Zer- störung eher nachgebende Tonbänke über harten Kalkbänken lagern. Der obere Teil des Gebirges ist also hier in der zurückweichenden Bewegung schon weiter gegangen als der untere.
Der Berg hatte mir eine feine Uberraschung bis zum Abschiede aufgespart. Während ich die Augen mit den Bildern der Nähe und Ferne sättigte, hatte sich der dunstige Südhimmel am Horizont geklärt. Ein paar kleine, zart gezackte Linien, eben erkennbar, zeichneten sich in die ferne Helle, wie winzige Wölkchen, die vergehen wollen: das Hochgebirge. Welch feinen Reiz verleiht der Alb und dem Schwarz- wald dies gelegentliche Herübergrüßen einer anders gearteten, größeren Welt!
Beim Abstieg auf die Hochfläche hatte ich noch ein anderes schönes Erlebnis. Mir begegnete eine Gruppe Heimziehender, Bauer und Bäuerin, Sohn und Tochter. Mit geschulterten Rechen und Sensen, die Sicheln lässig in der Hand wiegend, schritten sie langsam durch den warmen Heuduft des Nachmittags. Ich sah die vier Menschen von weitem kommen und erfreute mich an dem schönen Bild. Als sie näher kamen, hörte ich zweistimmig singen: Ein getreues Herze wissen, hat des höchsten Schatzes Preis. Paul Flemings Lied auf schwäbischen Höhen! Es streifte mich wie ein Gruß der erzgebirgischen Heimat, und ich sah den Sängern nach, bis das letzte Blitzen ihrer Sicheln und Sensen verschwand. Dann aber kam mir das Lied wie ein Einzelklang aus einem Epos vor, das dahinrauscht gleich einem großen, tiefen, sich gleichbleibenden Strome, und jener epische Eindruck, den die Weite des Bodens auf mich gemacht hatte, nahm nun auch die Menschen mit ihrer Arbeit und Feier in sich auf. Es will gut dazu passen, wenn der Kulturhistoriker erzählt, daß sich die Bodenwirtschaft der Albler seit den Karolingerzeiten nur wenig verändert habe.
Das Landvolk der Alb ist sich gleich geblieben und pflegt seine Scholle heute noch so, wie sie die Vorfahren vor vielen Jahrhunderten gepflegt haben. Aber aus diesem Volk sind kühne und große Geschlechter hervorgewachsen, die zu den Trägern einer weit über die schwäbisch- alemannischen Gaue hinausgreifenden Geschichte wurden. Berginselhaft ragten sie empor, wie die Einzelberge, die ihre Burgen trugen, inselhaft kühn vor dem geschlossenen Gebirge aus dem Lande ragen. Der Hohenstaufen, dessen kahles Haupt weit bis in die mittleren Rand- gegenden der Alb blickt, ist nicht nur der schönste aller schwäbischen Berge, sondern auch der bedeutendste. Dem Eindruck des Bedeutenden, den seine vulkanähnliche, steile Gestalt erweckt, kann sich niemand entziehen, der ihn von Süden aus, sei es aus dem Vorhügelland, sei es von der Albkante, sieht, auch wenn er nichts von der Geschichte weiß, die von diesem Gipfel ausgegangen ist. Wer sie kennt, der ahnt wohl


