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there. Give me serenity and equability of mind, and all will be well there“.(Brief an Mr. B. Maddock vom 17. Februar 1806).
Welches Ende es mit seinem Geiste genommen haben würde, wenn sein Körper der Ueberanstrengung nicht so frühzeitig unterlegen wäre, ist nicht abzusehen; geht doch R. Southey soweit, die Vermutung aufzustellen, dass nach und nach eine völlige Umnach- tung seines Verstandes hätte eintreten können. Jedenfalls sehen wir deutlich, wie die Schwärmerei und der Hang zum Mystischen immer mehr zunahm. Zuletzt gewinnt die Hinneigung zum Ueberirdischen eine solche Gewalt, dass die Erde, das Leben ihm nur Schein ist, und zwar ein trügerischer Schein, eine IIlusion, wie er es ausspricht in dem Gedichte„Time“:
„Such, alas! „Are the illusions of this proteus life! „All, all is false. Through every phasis still „ Tis shadowy and deceitful.— It assumes „The semblances of things, and specious shapes“; und weiter:„On earth „There is no certainty nor stable hope“.
So passiert es ihm häufig, dass er von einem richtigen Gedanken ausgeht, denselben aber durch Uebertreibung und einseitiges Hinblicken auf das Ueberirdische verdirbt. Wie ganz anders ist es mit seinen ersten Gedichten, die er verfasste, ehe er in die religiöse Schwärmerei versank! Nicht als ob er hier eine rein weltliche Gesinnung zur Schau trüge, nein, auch die ersten Gedichte schon atmen eine gewisse Frömmigkeit, aber eine reine, nicht durch Speculation getrübte, eine Frömmigkeit, welche sich mehr herausfühlen und erraten lässt, als dass sie sich aufdrängt, welche wohl thut, während die spätere ein hin und wieder sogar peinliches Gefühl erweckt, einen unwillkürlichen Gedanken an die krankhafte Stimmung des Dichters.
Den reinsten Genuss gewährt ohne Zweifel sein erstes umfangreicheres Gedicht: „Childhood“. R. Southey sagt einmal, in manchen seiner Gedichte stände White nicht sehr hinter Chatterton zurück, ein anderes Mal bemerkt derselbe, von allen jugendlichen Dichtern sei Chatterton der einzige, den White nicht weit hinter sich zurück liesse. Monicke hat jedenfalls die Dichtungen White's nicht gekannt, wenn er sagt, kein englischer Dichter in demselben Alter sei jemals dem Chatterton gleichgekommen. In Hinsicht auf „Childhood“ gehe ich noch einen Schritt weiter als Southey: ich stelle dies Gedicht wegen der Einfachheit und Klarheit der Gedanken, der Durchsichtigkeit und Anmut des Aus- drucks und des durchaus reinen Genusses, den es bietet, über die Erzeugnisse Chatterton's, die schon wegen der altertümelnden Form, verursacht durch den Umstand, dass er sie einem angeblichen älteren Dichter, nach dem Vorgange Macphersons, beilegte, ¹) einen einigermassen gezwungenen Eindruck hinterlassen und besonders darum bemerkenswert sind, weil sich der Jüngling in bewundernswerter Weise in die Anschauungen und in die Formen früherer Jahrhunderte hineinzufinden verstand, während seine in modernem Eng- lisch geschriebenen Gedichte unbedeutend sind.
¹) Chatterton gab an, die Gedichte seien von einem Priester aus dem fünfzehnten Jahrhundert, Namens Rowley, verfasst, und er habe sie von seinem Vater erhalten, der sie in einer Kiste in der Redeliffe- Kirche zu Bristol(dort war sein Vater Küster) gefunden habe.
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