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Die höhere Bürgerschule war für Knaben vom 10. bis 16. Lebensjahre berechnet. Bezüg- lich der Unterrichtsfächer sei hier nur bemerkt, dass auf die französische und englische Sprache besonders bedacht genommen wurde, sodass die für erstere anfänglich bestimmte Stundenzahl bald noch vermehrt wurde. Wenn die Freunde einer solchen Schule das Latein vom Lehrplane aus- schlossen, so haben sie sicherlich den formalen Wert dieser Disciplin nicht verkannt. Aber sollte dieser wirklich erreicht werden, dann musste dem lateinischen Unterrichte eine solche Ausdehnung gegeben werden, dass die französische und englische Sprache, die doch den hauptsächlichsten An- lass zur Gründung der Schule gegeben hatten, verkürzt wurden. Zudem„durfte man hoffen, dass in der richtigen Behandlung der streng logischen, wohlgegliederten französischen Grammatik ein Ersatz gefunden werde, der wohl geeignet sei, dem Sprachunterricht überhaupt eine feste, einheitliche Unterlage zu geben. Diese letztere Rücksicht trat allerdings anfangs sicherlich unter dem Drucke der damals die Bürgerschaft beherrschenden Anschauungen sehr zurück, musste sich aber im Laufe der Zeit um so mehr geltend machen, je mehr sich die Schule auch ihres allgemein bildenden Berufes bewusst wurde.
a. Allgemeine Geschichte.
Anfänglich stand die Schule unter der unmittelbaren Leitung der Herzoglichen Landes- regierung, seit dem 4. März 1863 unter einem besonderen vom Gemeinderat gewählten Schulvor- stand, seit dem 1. Juni 1869 unter der städtischen Schuldeputation, seit dem 21. Oktober 1875 unter einem eigenen Curatorium. ¹⁵)
„Im Auftrage Herzogl. Landes-Regierung und zur Ergänzung„„der vorläufigen Bekannt- machung““ des Herrn Bürgermeisters vom 18. I. M.(März 1857)“ brachte Herr Polack als der mit den Geschäften des Rektors Beauftragte Folgendes zur öffentlichen Kenntnis, was über Ziele und Lehrplan der Schule ausreichenden Aufschluss gibt:
„Die höhere Bürgerschule wird daher
1) durch sittliche Zucht und strenge Ordnung, durch gründliche Verstandesübung, sowie durch Mitteilung allgemein bildender Kenntnisse, namentlich im Unterricht in der Geschichte, Geographie und deutschen Sprache, in ihren Zöglingen tüchtigen Sinn und wackeres Streben zu erwecken suchen; ferner wird sie
2) neben der Muttersprache das Französische und Englische so nachdrücklich und ausgedehnt betreiben, dass die austretenden Schüler eine hinreichende Festigkeit und Gewandtheit im mündlichen Gebrauch derselben erlangt haben könneu, end- lich wird sie
¹*) Demselben haben bisher angehört: a. als nichtgewählte Mitglieder: die Herrn Oberbürgermeister Lanz, Schulinspektor Dr. Kuhn, Rektor Polack. An Stelle Kuhn's trat mit dem 1. Jan. 1877 der Rektor(jetzt Direktor) der höheren Töchterschule Weldert. Für den in Folge seiner Pensionierung ausscheidenden Rektor Polack trat zu Ostern 1877 der zum Rektor der Anstalt ernannte Professor Unverzagt ein; b. als gewählte Mitglieder: die Herrn Appellationsvicepräsident Dr. Bertram, Prof. Dr. Neubauer, Sanitätsrat Dr. Pagenstecher, Appellationsge- richtsrat Dr. Petri, Dr. Schirm, Hofschlosser Philippi. Am 6. Oktober 1877 trat für Dr. Bertram Herr Berg- rat Giebeler, 1877 für den verstorbenen Philippi Herr Rentner Gaab ein. Dr. Neubauer starb 1879; Herr Banquier Dr. Berlé trat an seine Stelle. Für den infolge seiner Versetzung an das Ober-Landesgericht zu Frankfurt ausscheidenden Petri wurde Herr Rentner Steinkauler gewählt.


