Aufsatz 
Geschichte der Realschule II. O. zu Wiesbaden / A. Güth
Entstehung
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Daneben sollten, zunächst in 10 Städten, Realschulen für Knaben vom 13. bis 14. Lebensjahre errichtet werden, um diesen diefür Handwerker, Künst- ler und die ein landwirtschaftliches oder ein anderes Gewerbe in grösserer Ausdehnung künftig zu treiben bestimmten Individuen nötige erweiterte Bil- dung zu geben. Als ÜUnterrichtsgegenstände werden bezeichnet: Deutsche Sprache mit Ver- fertigung schriftlicher Aufsätze, Naturgeschichte, Naturlehre, Erdbeschreibung, Geschichte, Schön- schreiben, Zeichnen, Mathematik, Technologie, einfache Buchführung.

Die dritte Kategorie von Schulen bildeten die Gelehrtenschulen, welche in die 4 klassigen Pädagogien(zu Wiesbaden?), Dillenburg, Idstein und Hadamar) und in das sich an diese an- schliessende Landesgymnasium(zu Weilburg) zerfielen. Die ersteren, gewissermassen dieGelehrten- Elementarschulen, sollten der doppelten Aufgabe genügen: sie waren nämlich einerseits als Vor- bereitungsschule für das Gymnasium für diejenigen bestimmt, welche sich dem Staats- und Kirchendienst widmen wollten; sie sollten andrerseits eine möglichst abschliessende Bildung für den Eintritt ins praktische Leben geben. Vielfach gab man deshalb diesen Anstalten unter Einschränkung des Grie- chischen einen mehr realistischen Charakter, wodurch ihre eigentliche Bestimmung beeinträchtigt wurde.

Was nun im besonderen die Realschulen betrifft, so entsprachen sie den vorhandenen Be- dürfnissen nicht, indem sie einerseits, z. B. durch Aufnahme der Technologie und Buchführung, über dieselben hinausgingen, andrerseits hinter denselben zurückblieben, insofern sie die fremden Sprachen ausschlossen. Sie konnten sich darum nicht halten, sodass 1828 von ihnen nur noch zwei bestanden. Eine wirksame Konkurrenz wurde ihnen zudem von den Privatinstituten gemacht, die sich den lokalen Verhältnissen anbequemten und darum rasch emporblühten.

Im Laufe der 30er Jahre machte sich die öffentliche Meinung in Nassau für realistische Anstalten immer stärker geltend. Und so verfügte eine Regierungsverordnung vom 30. März 1840 die Errichtung von 6 Realschulen, in denen die französische Sprache obligatorisch, die englische, facultativ sein sollte. Diese Schulen richteten sich in ihrer Organisation nach den lokalen Ver- hältnissen und den daraus resultierenden Bedürfnissen. Ein Gesetz aus dem Jahre 1861 gab ihnen ihre definitive Organisation. Sie waren für Schüler vom 10. bis 14. Lebensjahre bestimmt und hatten nach der Frequenz 2 bis 4 Klassen. Religion, Mathematik und Naturwissenschaften, Geschichte und Geographie, deutsche, französische und englische Sprache, Zeichnen, Schreiben, Gesang und Turnen waren die Unterrichtsgegenstände. Die Technologie und Buchführung fielen als besondere Disciplinen fort; sie sollten, erstere bei der Naturgeschichte, letztere bei der Arithmetik, Berück- sichtigung finden. Die Wiesbadener Realschule ging jedoch vielfach über den Rahmen dieser Schulen hinaus.

II. Die Realschule von 1840.

4 Die Realschule zu Wiesbaden wurde am 1. Mai 1840, zunächst mit zwei Klassen, eröffnet. Ihre Leitung übernahm der Rektor des Pädagogiums, Lex, welcher douch Direktor des vier Jahre später errichteten Gelehrten-Gymnasiums ward.

*) Bis dahin hatte zu Wiesbaden als höhere Lehranstalt die 3 klassige Friedrichsschule bestanden, welche

im Jahre 1806 aus der sog. Lateinschule und einer Privat-Töchterschule gebildet worden war. 1*