Aufsatz 
Das Johannesevangelium, eine Ergänzung des Lukasevangeliums. Exegetische Studie
Entstehung
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dabei von großen Volksmassen umgeben war. Was er hier geredet und getan hat, davon gibt Johannes keine Kunde, es ist in dem Berichte enthalten, an welchen seine Dar- stellung sich anschließt. Auch in der Leidensgeschichte finden sich ähnliche Lücken. So zwischen 18, 27 und 18, 28, wo die ganze Verhandlung vor Kaiphas ausgelassen ist. Ähnlich ist es mit 20, 18 und 19. Hier fehlt der Bericht von den Jüngern, die nach Emaus gegangen und dabei dem Auferstandenen begegnet waren. Ebenso auffallend ist, daß der Evangelist Johannes von der Himmelfahrt nichts berichtet.

Man darf daher behaupten, daß das Evangelium des Johannes Einzelbilder aus dem Leben des Herrn bringt, aber kein wirklich vollständiges Lebensbild und dazu paßt die Versicherung nicht, welche der Evangelist 20, 30. 31 gibt.

Diese scheinbar unvollständige Erzählungsweise gewinnt volles Leben, wenn sie die absichtliche Ergänzung eines schon bestehendem, dem Apostel und seinen Lesern vor- liegenden Lebensbildes des Herrn Jesus ist. Die Vereinigung beider Erzählungen bildet dann das richtige Gesammtbild. An welches der 3 ersten Evangelien sich Johannes anschließen mußte, ist vor allem durch die geschichtlichen Verhältnisse bedingt. Er konnte sich an kein Evangelium anschließen, das seinen Lesern selbst unbekannt war. Aber auch die Beschaffenheit der 3 ersten Evangelien weist nur auf ein Evangelium hin, bei dem diese Anlehnung möglich war. Das Matthäusevangelium war zu des Apostels Zweck nicht geeignet, denn Matthäus richtet sich nicht nach der Zeit- folge der Ereignisse, es beherrscht ihn der Trieb, das Verwandte in des Herrn Jesus Worten und Taten zu größren Darstellungen zu verarbeiten.(Kap. 57. 8. 13. u. s. w.) Die Zerpflückung dieser Kompositionen wäre keine erbauliche Arbeit gewesen. Wo aber Matthäus chronologisch berichtet, wie in der Leidensgeschichte, da wäre wohl Platz für manche Ergänzung, aber die Darstellung des Johannes zeigt, daß er den Bericht des Matthäus nicht vor sich hat. Daß der Apostel Johannes auch das Markusevangelium nicht vor sich hatte, zeigt schon der Anfang beider Evangelien,