8 Pharisäer und Sadducäer erklärt das 19, 45. 46 Erzählte nicht. Es muß noch Wichtigeres vorgefallen sein.
Das Angeführte genügt, um zu erkennen, daß das Lukasevangelium Lücken aufweist, welche eine Ergänzung bzw. eine Berichtigung erheischen.
Die weitere Frage ist nun die, ob das Evangelium des Johannes nicht von vornherein es verbietet, daß man in ihm nicht ein in sich abgeschlossenes Werk sieht, sondern eine bewußte Anlehnung an ein schon vorhandenes Lebensbild des Herrn Jesus, also daß das Evangelium des Johannes für sich allein gar kein vollhommnes Lebensbild geben will, sondern dazu die Lektüre des Lukasevangeliums treten muß.
Allgemein ist angenommen, daß Johannes als der zu- letzt schreibende Evangelist mit den 3 ersten Evangelien bekannt war und deshalb Manches vorausgesetzt hat, was der ersten Christenheit durch die 3 ersten Evangelien bekannt war. Damit ist schon eine gewisse Anlehnung zu- gegeben und diese Anlehnung fordert die Darstellung des Johannesevangeliums. D. Zahn(Evangelium des Johannes 1908, S. 29) versichert, daß nach Vieler Urteil das Evangelium des Johannes oft die näheren Umstände nicht berichtet, daß manche Erzählungen ohne jeden Übergang einsetzen und daher nur Unvollständiges berichten. Wie kurz berührt der Evangelist die Geburt des Herrn! Wie unvollständig ist das Bild des Täufers in seiner Wirksamkeit, ehe Jesus mit ihm in Verbindung tritt! Kapitel 5 tritt ohne jede Überleitung in den Bericht ein und ebenso fehlt bei Kapitel 6 jede Überleitung. 7, 1 berichtet wohl, daß der Herr Jesus in Galiläa umherzog, aber keine Predigt, keine Wundertat wird von dem Augenzeugen mitgeteilt, was doch darauf hinweist, daß die Leser von diesem Wirken des Herrn schon von anderer Seite her etwas wissen. Daß 8, 1—11 nicht am rechten Orte steht, sei nebenbei bemerkt, es ge- hört nach 18, 1. 2(Luc. 21, 37). Zwischen 10, 21 und 10, 22 ist eine Lücke. Die Verbindung fehlt. Das adv (10, 40) zeigt, daß sich der Herr Jesus nach dem Laubhütten- feste von Jerusalem an den Jordan zurückgezogen hatte und


