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nicht allzu eng faßt. Die auf S. 9 meines Vorworts geſchilderte Schwierigkeit der Satzbildung bei der Beſchränkung auf das Regel⸗ mäßige machte eine allzu große Einengung bei der Wahl des Stoffes, zumal für zuſammenhängende Stücke, einfach unmöglich.
AÄhnlich ſtand die Sache gegenüber dem Wortſchatz. In dieſer Beziehung ſagen die Lehrpläne:„Es iſt darauf zu achten, daß nur ſolche Wörter vorkommen, die regelmäßig in den Schulſchriftſtellern wiederkehren, und daß alle unregelmäßigen Formen fortbleiben“. Beides mußte ebenfalls cum grano salis verſtanden werden und iſt in dieſem Sinne von mir auch nach Möglichkeit, ja ich kann hinzufügen, ziemlich ſtreng beobachtet worden. Das ſchließt aber nicht aus, daß hin und wieder vereinzelt ſeltenere Wörter, wenn ſie nur regelmäßig waren, zur Anwendung kamen, weil ſie ſich eben nicht gut vermeiden ließen, und daß aus demſelben Grunde auch ein⸗ zelne unregelmäßige Formen, wie die des Verbums eini, der Zahlwörter und Pronomina benutzt wurden. Im übrigen aber iſt alles geſchehen, um auch hierin den theoretiſchen Forderungen der Lehrpläne praktiſch gerecht zu werden.
So mögen denn die vorliegenden Leſeſtücke hinausziehen mit dem Wunſche, daß ſie die Beachtung meiner Fachgenoſſen finden möchten. Berechtigte Ausſtellungen, die daran gemacht werden ſollten, und Verbeſſerungsvorſchläge werde ich dankbar entgegen⸗ nehmen, eingedenk der Worte des Amos Comenius, deſſen zu gedenken die bevorſtehende Jubelfeier ſeines Geburtstages gerade jetzt beſondere Veranlaſſung bietet: Non ego graviter fero mo- neri, nec erratis meis unquam defensor ero sciens volens: potius quicunque vitia mea iugulatum veniet, me ipsum habebit socium gratiasque insuper agam.(Op. didact. omn. Amsterd. 1657 IV pag. 28.)
Weilburg, den 7. Februar 1892. Richard Gropius.


