Aufsatz 
Die älteren Handschriften der Gymnasialbibliothek zu Weilburg / von Richard Gropius
Entstehung
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Die Paginierung iſt bei dem Einbinden durch das Beſchneiden vielfach geſtört worden. Auffallend iſt an ihr, daß die erſten 5 Quaternionen mit roten Buchſtaben[z. B. d1, d2, d3, d 4], die übrigen mit ſchwarzen bezeichnet waren und daß dieſe ſchwarzen wieder mit A beginnen Bz. B. A1, A2, A3, A4], was wohl darauf zurückzuführen iſt, daß mit der zweiten Kolumne von Quat. V pag. VI av. ein anderer Schreiber auftritt.

Der ganze Coder iſt ziemlich leſerlich geſchrieben; der zweite Schreiber ſchreibt etwas enger und ſteiler als der erſte; beide ſcheinen dem XV. Jahrhundert anzugehören.

Jede Seite iſt in zwei Kolumnen geteilt; die Ränder ſind ziemlich breit; hier und da finden ſich auf ihnen kurze Bemerkungen. Sogenannte Custodes ſcheint nur der erſte Schreiber am Schluß jedes Quaternio angewendet zu haben, ſie finden ſich noch am Ende von Quat. III und IV, ſonſt ſind ſie abgeſchnitten. Die Farbe der Tinte iſt grau⸗ſchwarz; Überſchriften und Initialen ſind mit roter Farbe geſchrieben.

Der Codex iſt, ſoweit Pergament benutzt iſt, durchweg rescriptus. Von der früheren Schrift zeigen ſich allerwärts Spuren, die einzelnen Blätter ſind aber aus verſchiedenen alten Schrift⸗ ſtücken zuſammengeſucht und ſcheinen nichts zuſammenhängendes zu enthalten: ſo viel ich ermitteln konnte, iſt alles geiſtlichen Schriften entnommen. Hin und wieder ſind Noten zu erkennen, die Schriftzüge zeigen den verſchiedenartigſten Charakter, von den größten Buchſtaben herab bis zu den kleinſten. An manchen Stellen ſind die Worte der getilgten Schrift auch ohne Anwendung von Reagentien ganz leicht zu leſen, ſo auf dem letzten Blatt der Spruch: Ego sum uitis uera et uos palmites.[Evang. Joh. XV, 5.]

Wir kommen zum Text des Iſidorus.

Den Anfang macht in roter Farbe die Überſchrift: Incipit liber ethimologiarum sancti ysidori ispalensis episcopi. Dann folgt zunächſt der Briefwechſel zwiſchen Iſidorus und dem Biſchof Braulio und zwar drei Briefe des Iſidorus und zwei des Braulio, und hierauf ein kurzer Brief an Seſibutus, welcher folgendermaßen lautet:

Isidorus sesibuto.[Dieſes in roter Schrift.]

Domino et filio sesibuto isidorus En tibi sicut pollicitus sum misi opus de origine quarundam rerum ex veteris lectionis recordacione collectum. atque ita in quibusdam locis annotatum sicuti extat conscriptum stilo maiorum.

Dieſer Brief findet ſich auch in der von mir benutzten Ausgabe des Iſidorus[Venet. 1493], iſt dort aber an Braulio gerichtet.

Nunmehr folgen in der Handſchrift, ohne Zwiſchenraum, die Worte: Ut valeas que requiris cito in hoc corpore inuenire haec tibi lector pagina monstrat de quibus rebus in singulis libris conditor huius codicis disputauit. Explieit.

Darauf folgt eine Inhaltsüberſicht über die ſämtlichen Bücher der Etymologiae und dann eine ſolche über die einzelnen Kapitel des I. Buches.

Jetzt erſt beginnt das eigentliche Werk mit der rot geſchriebenen Überſchrift Incipit liber primus de disciplina et arte C I.

Als Probe wähle ich den Anfang des VIII. Kapitels im VII. Buch, welches de pro- phetis überſchrieben iſt.*) Er lautet:

Quos gentilitas uates appellat hos nostri prophetas uocant quasi prefatores quia porro fantur et de futuris uera praedicunt Qui autem a nobis prophete in ueteri testi-

.*) Vergl. Sadéeüber Freiburger Fragmente einer Handſchrift der Etymol. des Isid. Hispal. im 1883. Progr. des Gymn. zu Freiburg im Breisgau p. 6.