Aufsatz 
Entwurf einer griechischen Vorschule / von Gropius
Entstehung
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Ihre erste Aufgabe war demnach festzustellen, was sie für wichtig halten und was sie als entbehrlich ansehen wollte. In dieser Beziehung leitete sie im allgemeinen folgender Grundsatz: wichtig ist alles Regelmässige und Allgemeingültige, ent- behrlich alle Ausnahmen und Einzelheiten.

Die Lectüre eines Schriftstellers kann recht wohl begonnen werden, ehe der Schüler ein einziges der unregelmässigen Verba kennen gelernt hat: er braucht weder zu wissen, wie plyrouat seine Tempora bildet, noch die Formen von Sια oder zvyxdrν zu ken- nen, um den Anfang der Anabusis zu verstehen, obgleich sich dort die Formenlyvovyrat, SSoulero und érupxæve vorfinden. Wohl aber ist er nicht im Stande, sich auch nur auf die beiden ersten Sätze zu präpariren, wenn ihm die Verba auf oder die Verba con- tracta gänzlich unbekannt sind oder er nicht weiss, wie ein vocalisch anlautendes oder ein mit einer Praeposition zusammengesetztes Verbum sein Augment bildet: denn wie will er die Bedeutung der Formen ⁷ϑρισνια, muπsᷣreve und raeæo ohne diese Kenntnis er- mitteln? Freilich wird er auch bei Formen wie 1aα und αεν im zweiten Para- graphen anstossen, indessen lässt sich ganz abgesehen davon, dass dem Schüler bei der ersten Praeparation auf einen neuen Schriftsteller ja überhaupt die hilfreiche Hand des Lehrers nicht fehlen soll die ganze Conjugation von 1α⁴ἀ̈σ und dνα⁵αινα obne be- sondere Schwierigkeit bei Gelegenheit der Lectüre in wenigen Minuten einüben, wenn der Schüler nur das regelmässige Verbum auf und die Conjugation von Torννuιι sicher ge- lernt hat, während die obenerwühnten grammatischen Lehren eine weit zeitraubendere Behandlung verlangen würden.

Demnach wäre es ohne Zweifel am zweckmässigsten, unregelmässige Bildungen der Vorschule überhaupt günzlich fern zu halten: allein die Nothwendigkeit, dem Schüler die grammatischen Formen im Satze zu zeigen, machen einen derartigen Ausschluss aller anomalen Erscheinungen unmöglich. Man wird also schon zufrieden sein müssen, wenn die Vorschule nur bestrebt ist, unregelmässige Wörter und Formen möglichst wenig zu verwenden, zumal in dieser Beziehung noch so manches Wort vermieden werden kann, was in den bisher erschienenen Uebungsbüchern und Vorschulen ohne Bedenken einen Platz gefunden hat.

Ohne die Formen von el⁴ freilich ist eine derartige Vorschule undenkbar; auch Wörter wie aœν, mννο, dνm oder Adjectiva wie oνςα und uεyag werden dem Schüler nicht gut ein Jahr lang fremd bleiben können: wozu ist es aber nöthig, ihm Wörter vor- zuführen, wie deozς mit seinem deοeσOπααα,*godg mit seinem 600, 4, Aida mit seinem Aijdag, Aunde mit seiner unregelmässigen Dehnung des Vocals, Anαααων, ILIoGιι⁴εμν und 7ie mit ihren Vocativen Anοα‿ον, IIdει³oν und G⁴⁵στι Müssen Verba wie 10α mit seinem bald langen bald kurzen Stammvocal, ²2ανα mit seinem xdaedœαo und eαεννc, Sdo mit seinem fg, veleuc mit seinem exνεεννινα⁴αάν εσσ mit seinem et im Augment, mAe mit seinem rlεεισιαααα müssen, sage ich, solche Verba mit ihren vielen kleinen Unregelmässigkeiten durchaus gelernt werden, gho an die Lectüre Xenophon's herange- gangen wird? Meiner Meinung nach thäte die Schule entschieden besser, den Schüler mit diesen und hundert andern Kleinigkeiten zunächst zu verschonen; sie sind ja doch nur geeignet ihn zu verwirren und unsicher zu machen, und späterhin wird sich noch Zeit genug finden, diese Dinge, soweit sie überhaupt gelernt werden müssen, nachzuholen, sei