Aufsatz 
Zur Geschichte des Magnetismus / von C. B. Greiss
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

schaft den Beobachtungen und der wissenschaftlichen Thätigkeit eines und desselben kühnen Seefahrers, Sir James Ross, im Norden während der zweiten Expedition seines Onkels Sir John Ross(1829 1833), im Süden während der von ihm selbst befehligten antare- tischen Expedition(1839 1843). Er bestimmte die Lage des nördlichen Poles zu 70⁰ 0 5 N. Br. und 99⁰0 5 W. L.(von Paris), und des südlichen zu 750 5 S. Br. und 1510 48 O. L. Der nördliche Pol gehört der grossen, dem amerikanischen Continente sehr genäherten Insel Boothia Felix an, er liegt wenig ab von der Westküste dieser Insel, unfern von dem Vor- gebirge Adelaide. Am 17ten Februar 1841 war das Schiff Erebus bis 76⁰0 12 S. Br. und 161⁰ 40 O. L. gelangt. Die Inclination war aber erst 88⁰0 40, und man glaubte sich also noch an 160 englische Seemeilen von dem südlichen Magnetpol entfernt. Dass die Lehre von dem Erdmagnetismus nur weiter gefördert werden könne, wenn man über eine grosse Anzahl genauer, an den verschiedensten Orten der Erde angestellter Beobachtungen zu ver- fügen habe, sah man leicht ein, und namentlich war es Humboldt, der in dieser Hinsicht eine ausserordentliche Thätigkeit an den Tag legte. Hören wir, wie er sich selbst in dieser Beziehung am 26ten September 1830 äussert:Die Erscheinungen des tellurischen Maguneltis- mus in dreifachem Gesichtspunkte beobachtet, in ihrer gegenseitigen Beziehung der Neigung, Abweichung und Kraft-Intensität, in ihrer Veränderlichkeit oder allmähligen Entwicklung an demselben Orte durch eine lange Zeitperiode, endlich in ihrer Gleichzeitigkeit in sehr ent- fernten Räumen, sind seit einer grossen Reihe von Jahren der Gegenstand meiner Beobach- tungen gewesen. Als ich aus Peru und Mexiko zurückkehrte, wo ich an den Küsten der Südsee auch mehrere Bestimmungen der stündlichen Abweichung mittelst einer an einem Seidenfaden aufgehangenen, mit Dioptern versehenen, 12 Zoll langen Magnetnadel versucht hatte, brachte ich in Berlin mit vieler Sorgfalt zu demselben Zwecke eine Vorrichtung zzu Stande, an der ich gemeinschaftlich mit Herrn Professor Oltmanns in den Jahren 1806 und 1807 beobachtete. Wir beobachteten hauptsächlich in den Solstitien und Aequinoktien Tags und Nachts ununterbrochen meist von halber zu halber Stunde 4 bis 6 Tage hinter einander, und erhielten 1500 Resultate über die Veränderungen der stündlichen Abweichung, Mittelzahlen von etwa 6000 Beobachtungen, in welchen Spuren einer nächtlichen Periode, Einfluss des Nordlichts auf Abweichung und Intensität, und sonderbare Perturbationen, mag- netische Gewitter, wenn die Sonne unter dem Horizonte steht, und nicht mehr die celectro- magnetische Spannung die Erdoberfläche regiert, keineswegs zu verkennen waren. Ich äus- serte da mals schon den lebhaſten Wunsch, ähnliche Apparate in Osten und Westen von Berlin auf- gestellt zu sehen, um grosse tellurische Phänomene von dem unterscheiden zu können, was localen Störungen zugehört, aber meine Abreise nach Paris und die politischen Verwirrun- gen im westlichen Europa hinderten die Erfüllung dieses Wunsches. Nach einer langen Un- terbrechung wurde in Frankreich die von Cassini begonnene Arbeit mit einem weit voll- kommneren Apparate nach einem ganz neuen, viel umfassenderen Plane und mit einer bis dahin unerreichten Genauigkeit fortgesetzt. Durch Arago begann eine glänzende Epoche für die Erforschung des tellurischen Magnetismus. Die auf der Pariser Sternwarte regel- mässig zu bestimmten Stunden gemachten Beobachtungen über die täglichen Veränderungen