Aufsatz 
Zur Geschichte des Magnetismus / von C. B. Greiss
Entstehung
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ten magnetischen Kraft suchte, und die regelmässige tägliche Veränderung der Magneinadel in derselben Weise erklärte, wie dies in der neueren Zeit durch Dove geschehen ist. Nachdem Norman, wie bereits erwähnt, schon im Jahre 1576 die magnetische In- clination zu London gemessen hatte, waren die ersten, welche mit Inclinatorien die Neigung an verschiedenen Orten der Erde beobachteten, Noël, Pound, Cunningham, Whiston und Semler. Man wollte schon in diesem Zeitraum gefuanden haben, dass die Neigung der Nadel an einem und demselben Orte veränderlich sei. Graham ſand sogar bereits im Jahre 1722 tägliche Schwankungen in der Inclination der Magnetnadel. Die erste Karte der isoclinischen Linien scheint diejenige gewesen zu sein, welche Wilcke in den Memoiren der Akademie von Stockholm für das Jahr 1768 veröffentlicht hat. Bei seinen Beobachtungen über die Inclination war Graham(1675 1751) darauf aufmerksam geworden, dass die Neigungsnadel, ehe sie noch den Winkel zeigt, welcher die Neigung angiebt, vorher Schwin- gungen macht, wie ein Pendel. Er zählte nun die Anzahl dieser Schwingungen in einer ge- wissen Zeit, um daraus zu ersehen, ob sich nicht vielleicht ähnliche Schlüässe wie beim Pendel ziehen liessen. Allein er fand, dass die Schwingungen einer und derselben Neigungs- nadel zu verschiedenen Zeiten sehr ungleich waren, und dass daher die magnetische Kraft der Erde bei Weitem nicht so beständig sei, wie die Schwerkraft. Ueberdem hatte auch Whiston wahrgenommen, dass eine längere Nadel ihre Schwingungen langsamer vollbringe, als eine kürzere. Aus allem diesem folgerte man, dass die magnetische Kraft zu verschiedenen Zei- ten sehr ungleich auf den Magnet und auf das Eisen wirke. Der erste Versuch aber, die Intensität des Magnetismus an von einander weit entfernten Punkten der Erde durch die Zahl der Oscillationen in gleichen Zeiten zu prüfen, geschah durch Mallet im Jahre 1769. Er fand mit sehr unvollkommenen Instrumenten die Zahl der Oscillationen zu Petersburg in einer Breite von 59⁰ 56 und zu Pona in einer Breite von 670 4 völlig gleich, woraus die bis auf Cavondish (1731 1810) fortgepflanzte irrthümliche Meinung entstand, dass die Intensität der magnetischen Kraft der Erde unter allen Zonen die selbe sei. Die Einsicht in die Intensitäts-Verschiedenheit die- ser Kraft an verschiedenen Punkten der Erde, und die Methode, diese Verschiedenheit durch die Schwingungen einer Inclinationsnadel im magnetischen Meridian zu messen, verdankt die Wissen- schaft allein dem Scharfsinn des Chevalier Borda(1733 1799), und zwar nicht durch von ihm selbst angestellte geglückte Versuche, sondern durch Gedankenverbindung und beharrlichen Einfluss auf Reisende, die sich zu fernen Expeditionen rüsteten. Seine lange gehegten Vermuthun- gen wurden zuerst durch Lamanon(17521787) bestätigt. Dieser, mit verbesserten In- strumenten ausgerüstet, begleitete La Peyrouse auf der unglücklichen Expedition in den Jahren 1785 bis 1787. Seine gemachten Beobachtungen schickte er von Macao aus an den Secretär der Pariser Akademie, sie blieben aber unbeachtet, und in den akademischen Ar- chiven vergreben. De Rossel, welcher d'Entrecasteaux auf seiner Reise, um den unglücklichen La Peyrouse aufzusuchen, begleitete, hat von 1792 bis 1793 eine Reihe von Beobachtungen in den indischen Meeren gemacht, mit deren Hilfe er gezeigt hat, dass die magnetische Intensität vom Aequator nach den Polen zu wachse. Ihm würde unbestrit- ten das Verdienst, diese wichtige Thatsache zuerst constatirt zu haben, gebühren, wenn 2*

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