Aufsatz 
Zur Geschichte des Magnetismus / von C. B. Greiss
Entstehung
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hielt aber beide für Emanationen der einigen, aller Materie als solcher innewohnenden Grund- kraft. Er hat, wie es der Genius vermag, nach schwachen Analogien Vieles glücklich ge- ahnet, ja nach den klaren Begriffen, die er sich von dem tellurischen Magnetismus machte, schrieb er schon die Entstehung der Pole in den senkrechten Eisenstangen am Kreuze alter Kirchthürme der Mittheilung der Erdkraft zu. Exr lehrte in Europa zuerst durch streichen mit dem Magnetstein Eisen magnetisch machen, was freilich die Chinesen fast 500 Jahre frü- her wussten. Dem Stahl gab Gilbert schon damals den Vorzug vor weichem Eisen, weil jener die mitgetheilte Kraft dauerhafter sich aneigne, und für längere Zeit ein Träger des Magnetismus werden könne. Auch bemerkte er bereits die grössere Kraft, welche der Mag- net durch Armatur erhält, wenngleich die Armatur erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch Musschenbrök und andere gleichzeitige Physiker die Form erhalten hat, in wel- cher sie noch heute angewandt wird. Nach Gilbert schrieb im Jahre 1629 der Jesuit Ni- colaus Cabãus aus Ferrara ein Werkphilosophia magnetica, in welchem sich einige Versuche finden, welche Gilbert's Schrift nicht enthalt. Nach ihm zieht der Magnet das nicht verrostete Eisen stärker, als das rostige an; stärker das gehärtete, als das weiche; stärker das geschmiedete, als das gegossene, und endlich am stärksten dasjenige, welches oft magnetisch geworden ist. Auch beobachtete er, dass erhitztes Eisen während des Abkühlens die magnetische Kraft annahm, wenn es vertical stand, oder im magnetischen Meridian sich befand. Er beobachtete ferner, dass der Magnet dem Eisen die magnetische Richtung nach der grössten Länge desselben mittheilte, er zeigte, dass sich die magnetische Kraft durch alle Körper fortpflanzt, dass eine vertical gehaltene Eisenstange unter dem Ein- fluss der Erde magnetisch wird(eine Thatsache, die auch bereits Gilbert beobachtet hatte), dass, wenn man einen Magnet entzwei bricht, jede Hälfte Polarität besitzt, dass Eisenstan- gen mit der Zeit polarisch werden, dass, wenn man in der Mitte eines Eisenstabes einen Magnetpol aufsetzt, die beiden Enden des Stabes denselben Magnetismus erhalten, dass das rothglühende Eisen nicht mehr auf die Magnetnadel einwirkt. Die Magnetisirung durch den Blitz wurde zuerst durch Gassendi beobachtet, der im Jahre 1634 am unteren Theile eines Stückes Eisen, das auf der Spitze eines Thurmes zu Aix in der Provence, den der Blitz be- schädigt hatte, in Stein eingelassen war, eine magnetische Substanz fand. Die Beobachtung Gassen di's war vergessen, als im Jahre 1691 Vallemont eine ähnliche machte. Es hatte nämlich ein Gewitter den Kirchthurm zu Chartres im Jahre 1690 so beschädigt, dass er abgetragen werden musste. Hier fand sich nun in der Spitze des Thurmes um das Eisen, welches zur Verbindung der Steine gedient hatte, eine dichte rostartige Masse, deren in- nerer, zwischen den Steinen verborgen gelegener Theil die Natur des besten Magnets hatte, wie Cassegrain zuerst wahrgenommen haben soll.

Nun sind wir auch bei der Zeit angelangt, in welcher zum ersten Male eine Beantwortung der Frage nach der Ursache der magnetischen Erscheinungen versucht wurde. Cartesius war näm- lich der erste, welcher die magnetischen Erscheinungen von einer eigenen Materie ableitete. Er stellte sich die Theilchen dieser Materie wie kleine, feine Schräubchen oder Spiralen vor, welche aus dem einen Pol in den anderen überströmten, und sich im Wirbel um den Magnet herumbewegten.