Aufsatz 
Zur Geschichte des Magnetismus / von C. B. Greiss
Entstehung
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Orte bemerkt wurde. Die ältesten Beobachtungen, welche der Veränderlichkeit der Abwei- chung an demselben Orte gedenken, rühren von den Franzosen her, daher es auch wahr- scheinlich ist, dass diese sie zuerst wahrgenommen haben. Man hatte in Paris schon in den Jahren 1541, 1550, 1580 und 1603 vier verschiedene Abweichungen gefunden, deren Unter- schied bis auf3, 250 stieg. Nachher scheint aber unter den Engländern vorzüglich Gellibrand sehr aufmerksam auf die Veränderung der Abweichung gewesen zu sein. Da zu London von 1580 bis 1622 die Abweichung um 5 30 abgenommen zu haben schien, so zog Gellibrand 1625 in einem Garten zu London mit vieler Sorgfalt eine Mittagslinie, und beobachtete mit Hilfe einer langen Nadel eine Reihe von Jahren hindurch die Veränderung der Abweichung. Bis zum Jahre 1634 hatte er auf diese Weise die Thatsache, dass die magnetische Declina- tion an demselben Orte veränderlich sei, bestimmt erkannt. Seine Meinung, dass sie selbst für den Zeitraum von wenigen Tagen nicht unmerbklich sich ändere, wurde durch des Pater Guy Tachard Versuche, welche derselbe im Jahre 1682 zu Louvo in Siam anstellte, be- stätigt. Als dieser nämlich in genannter Stadt in Gegenwart des Königs von Siam die Mag- netnadel beobachtete, fand er an einem Tage die Abweichung gegen Osten 16 Minuten, am anderen 31 Minuten, am dritten 35 und am vierten 38. An anderen Tagen desselben Jahres fand er sie an einem Tage 28 Minuten, am darauf folgenden 33, und am dritten 31. Alle sieben Beobachtungen scheinen innerhalb eines Monats angestellt zu sein. Dem Mechanicus Graham zu London bleibt jedenfalls aber das unbestrittene Verdienst, im Jahre 1722 zu- erst beobachtet und ausgesprochen zu haben, dass die Magnetnadel nicht nur von einem Tage zum andern, sondern selbst von Stunde zu Stunde ihre Richtung verändere, Schlüsse, welche er aus einer sehr grossen Reihe von Beobachtungen, die er selbst mit vieler Genauigkeit angestellt hatte, zog.

Neben dem alleinigen und so frühe benutzten Elemente der Magnetkraft, der horizon- talen Abweichung vom Nordpole, wurde zuerst im Jahre 1576 auch das zweite Element, die Neigung, gemessen. Die im nördlichen Europa allgemeine Erfahrung, dass das Nordende einer gehörig abgeglichenen stählernen Nadel nach dem Magnetisiren schwerer wird, musste den Verfertigern von Compassen schon frühe auffallen. Doch nur der Engländer Robert Norman, Compassmacher zu Ratcliff, war aufmerksam genug, die Wahrnehmung zum Ver- suche zu erheben, und diese Senkung durch ein von ihm selbst erfundenes Inclinatorium zu messen. Er bestimmte sie im Jahre 1576 zu London mit nicht geringer Genauigkeit zu 71⁰ 50.

Eine ganz neue Epoche für den Magnetismus trat mit dem im Jahre 1600 erfolgten Er- scheinen von Gilbert's WerkeDe magnete magneticisque corporibus et de magno mag- nete tellure phyfsiologia nova ein. Gilbert, den Galilei bis zu dem Grade be- wunderte, dass er ihnbis zum Neid-Erregen gross nennt, dessen Verdienste aber auf der an- deren Seite von Baco gänzlich verkannt wurden, stellt in seinem Buche den Satz auf: magnus magnes ispe est globus terrestris. Er hat demnach die erste grossartige Ansicht von der magne- tischen Erdkraft aufgestellt, und ist somit der Begründer der Lehre von dem Erdmagnetismus ge- worden. Er unterschied zuerst auch deutlich in ihren Wirkungen Magnetismus von Electricität,