1
5
ser Lage besitze. Ferdinand Columbus, der Sohn des berühmten Entdeckers von Ame- rica, behauptet in seiner italienisch verfassten Lebensbeschreibung seines Vaters(1571), dass dieser den 14. Septbr. 1492 die Abweichung beobachtet habe. Columbus soll sogar das grosse Verdienst haben, auch die Lage einer Linie ohne Abweichung 2 ½ 0 östlich von der Azori- schen Insel Corvo astronomisch zu bestimmen, und, indem er in dem westlichen Theile des atlantischen Oceans vordrang, zu beobachten, wie die Abweichung allmählich von Nordost in Nordwest überging. Diese Verdienste des Columbus sind jedoch nicht unbestritten, in- dem Thevenot in seinem Kecueil des Poyages(1681) von einem lateinischen Briefe des Peter Adfiger spricht, in welchem dieser schon im Jahre 1269 eine Abweichung von 50 beobachtet haben will. Der Cosmograph Alonso de Santa Cruz, Lehrer der Mathematik des jugendlichen Kaisers Carl V, zeichnete schon 1530, also anderthalbe Jahrhunderte vor Halley, freilich auf sehr unvollständige Materialien gegründet, die erste allgemeine Karte isogonischer Linien. Erst gegen die Mitte des 17ten Jahrhunderts überzeugte man sich je- doch von der Richti gkeit der Entdeckung der Declination, sowie auch davon, dass die Ab- weichung an verschied enen Orten des Erdbodens verschieden sei. Kircher stellt hierüber verschiedene gesammelte Beobachtungen zusammen, welche für die Orte des mittelländischen und des Weltmeeres von Lissabon an bis nach China und Brasilien insgesammt von den Je- suiten, für die nördliche Gegend von den Engländern und Holländern, und endlich für ganz Europa angestellt waren, Ausserdem erzählt Kircher, einer seiner Freunde habe zu Nea- pel nach einem Auswurfe des Vesuv eine grosse Veränderung in der Abweichung der Mag- netnadel bemerkt. Um auf Kircher nicht noch einmal znrückkommen zu müssen, sei hier gleichzeitig bemerkt, dass er auch gezeigt hat, wie man mit Hilfe der Magnete verschiedene Kunst- und Spielwerke verfertigen könne. So lehrt er die Verfertigung der Nadeln und Bous- solen, sowie aller folgenden Instrumente mittelst des Magnets: eines Astrolabiums, eines Alma- nachs, einer immerwährenden Uhr, welche Tag und Nacht die babylonischen, italienischen, astronomischen und andere Stunden zeigt, eines Graphometers, um Flächen aufzunehmen, eines Instrumentes, um unter der Erde den Punkt zu ſinden, welcher senkrecht einem an- deren Punkte auf der Oberfläche correspondirt, eines Wegmessers, welcher den zurückge- legten Weg anzeigt, ohne das Instrument anzurühren, einer Jodiakaluhr, um die Abweichung, den Auf- und Untergang der Sonne, die Länge der Tage, der Dämmerungen u. s. w. zu messen, eines Perpetuum mobile, indem er eine Kugel in einer gläsernen Sphäre so auf- hängt, dass die Kugel in 24 Stunden beständig sich herumbewegt. Er besass Statuen, welche mittelst des Magnets und einer gewissen Zusammensetzung von Spiegeln zu gehen schienen, eine Maschine oder Statue, welche durch ihre Bewegung den Wind anzeigte. Er zeigte einen Streit zwischen Sandkörnern, ein Zusammenstossen zweier Widderköpfe, einen Igel von Eisen, einen Automaten, welcher Fragen beantwortete, ein Mittel, seine Gedanken durch den Magnet mitzutheilen, und sich mit Personen, die mehrere Meilen entfernt sind, zu un- terhalten, eine Kugel, mit welcher man überall eine Mittagslinie ziehen konnte.
Hatte die Anerkennung der magnetischen Abweichung überhaupt erst später Eingang gefunden, so dauerte es ungleich länger, bis ihre Veränderlichkeit an einem und demselben


