Aufsatz 
Zur Geschichte des Magnetismus / von C. B. Greiss
Entstehung
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Zu dem Wenigen, was wir aus der älteren Zeit über unsere Lehre erfahren, gehören auch die angeblichen Einwirkungen des Magnets auf den menschlichen Organismus. Nach Kircher's Bericht haben schon Galen(geboren 1341 n. Chr.), Dioscorides(im ersten Jahr- hundert nach Christo lebend), und Avicenna(980 1037) dem Magnet eine Kraft zugeschrieben, die dicken Säfte im menschlichen Körper zu verbessern, Kröpfe zu heilen und Nervenschmerzen zu lindern. Marcellus, der im 5ten Jahrhundert gelebt hat, versichert(De medicamen- tis cap. I), dass der Magnet Kopfschmerzen vertreibe. Aêtius(um das Jahr 500) sagt, man versichere, dass diejenigen, welche an Chiragra, Podagra und Krampfzufällen leiden, Linderung empfänden, wenn sie einen Magnet in der Hand hielten. Nach Schluss des Mit- telalters kamen die magnetischen Kuren von Neuem auf. So meldete gegen Ende des 16ten Jahrhunderts Joh. Jac. Wecker, dass der Magnet Kopfschmerzen lindere, wenn man ihn an den Kopf hielte; er sagt, Heller habe dieses aus den Nachrichten der Alten genommen. Auch bei Porta(†⁵ 1615) lieset man, dass man den Magnet wider Kopfschmerzen empfehle, und bei Kircher(1601 1680), dass man ihn am Halse wider Krämpfe und Nervenschmerzen trage. Gegen Ende des 17ten Jahrhunderts machte man magnetische Zahnstocher und Ohr- löffel, und rühmte solche wie ein Geheimniss wider Zahn-, Augen- und Ohrenschmerzen. In einem 1739 zu Paris erschienenen Buche berichtet der Pater Dentrecolles, dass man den Magnet in China besonders zur Heilung der Geschwulst anwende. Man streue nämlich über die Geschwulst Eisenfeilstaub, nähere demselben einen Magnet, und hebe dadurch die Ursache der Krankheit. Dr. Anton Mesmer, ein geborner Schweizer, machte im Jahre 1773 zu Wien mancherlei Versuche mit dem gewöhnlichen Magnet an Kranken, in der Ab- sicht sie zu heilen, und sah vielfältig die Anwendung des Magnets in dieser Hinsicht mit erwünschten Erfolgen gekrönt. Dadurch aufgemuntert verfolgte er seine Versuche, und langte bei der Entdeckung an, dass er auch ohne Magnet durch blosse Berührung mit seinen Hän- den auf Kranke einzuwirken, und Heilzwecke zu erreichen vermöge. Nun dachte sich Dr. Mesmer den menschlichen Leib mit Kräften versehen, die mit denen des Magnets Aehnlich- keit haben, und nannte die mit dem gewöhnlichen Magnet analogen und dem Menschen ein- wohnenden Kräftethierischen Magnetismus, behauptend, dass diese Kräfte von ihm belie- big erregt, und zur Heilung der Kranken gelenkt werden könnten. Das Nähere über den thierischen Magnetismus, dessen Ausbildung und Verbreitung gehört nicht mehr dem Gebiete der Physik an.

Dass in dem Mittelalter der Magnetismus ebenso wenig eine wesentliche Bereicherung er- ſuhr, wie die übrigen Lehren der Physik, darf nicht wundern. Die Schriftsteller des Mittel- alters begnügten sich damit, den Magnetismus, wie alle anderen Gegenstände, mit ausschwei- fenden Mährchen nach ihrer Art auszuschmücken. Wie abgeschmackt dieselben oft gewe- sen sind, dafür genüge die Anführung des einen Beispiels, dass sie erklärten, die verlorne Kraft eines Magnets könne durch Bocksblut wieder ersetzt werden.

Die nächste Thatsache, welche für die Wissens chaft festgestellt wurde, war die Beob- achtung, dass eine freibewegliche Magnetnadel in ihrer Ruhelage nicht genau nach Norden und Süden weise, sondern eine grössere oder geringere Abweichung, Declination, von die-