35
spath wurde parallel dem Hauptblätterdurchgange abgespalten, auf derselben die Richtung der kurzen Diagonale bezeichnet in dem von den beiden Nebenspaltungen dargestellten Rhombus, und diese Platte als kreisrunde Scheibe zwischen den Polen einer aus 400 Paaren von Zink und Goldpapier, oder einer aus 2000 Paaren von Silberpapier und Braunstein bestehenden Zamboni'schen Säule horizontal aufgehängt. Sie drehte sich stets so, dass die bezeichnete kurze Diagonale winkelrecht gegen die Verbindungslinie der Pole sich richtete. Ein ganz gleiches Resultat ergab eine ebenso behandelte Gypsplatte. Salpeter, isländischer Doppelspath, Kalkspath, in welchem kohlensaurer Kalk mit etwas isomorphem kohlensauren Eisenoxydul ver- bunden war, Spatheisenstein und Aragonit wurden so geschnitten, dass die krystallographische Axe derselben in der Ebene der Scheibe lag. Bei allen diesen Körpern, von welchen eine grosse Anzahl von Exemplaren untersucht wurde, ging die krystallographische Axe jedes Mal durch eine Drehung der horizontal hängenden Scheibe allmählig in eine äquatoriale Lage über, in welcher sie alsdann dauernd verharrte. Bei einem flachen Berylleylinder dagegen und bei einer Turmalinscheibe wandte sich die Axe den Polen zu und stelite sich also axial. Ein Wismutheylinder, dessen Axe dem Hauptblätterdurchgange parallel war, richtete sich jedes Mal entschieden so, dass jener beim Versuche verticale Blätterdurchgang einen Winkel von 900 mit der Verbindungslinie der Pole bildete. Da nun Knoblauch vermuthete, dass das Ver- halten der Krystalle zwischen den electrischen Polen durch Unterschiede in der Aggregation der materiellen Theilchen nach verschiedenen Richtungen bedingt sei, so drückte er ein feines Pulver von schwefelsaurem Baryt, dem als Bindemittel etwas Gummiwasser zugeselzt war, nach einer Seite zusammen, und bildete nach dem Trocknen aus dieser Masse eine kreisrunde Scheibe, so dass die Richtung, in welcher der Druck ausgeübt worden war, in der Ebene der Scheibe lag. Sie drehte sich, horizontal aufgehängt, grade wie die Scheibe eines Schwerspathkrystalls, die Richtung der Compression stellte sich äquatorial, wie bei dem Krystalle die kurze Diagonale des aus den Nebenspaltungen gebildeten Rhombus. Aehnliche Versuche wurden angestellt mit schwefelsaurer Kalkerde, kohlensaurer Kalkerde und kohlensaurem Eisenoxydul, also mit Kör- pern, deren chemische Zusammensetzung mit derjenigen der untersuchten Krystalle identisch war. Ausserdem wurden noch fein geriebenes Glas, sowie Pulver von chromsaurem Bleioxyd, pbosphorsaurer Kalkerde und andere Substanzen auf gleiche Weise behandelt, und zwischen den electrischen Polen untersucht. Sämmtliche Versuche ergaben das übereinstimmende Re- sultat, dass Körper, in welchen die materiellen Theilchen nicht nach allen Seiten hin gleich- weit abstehen, zwischen electrischen Polen, wenn der richtende Einfluss der Form aufgehoben ist, so gedreht werden, dass die Richtung, in welcher die Theile am nächsten bei einander sind, von den Polen sich abwendet. Es dürften demnach auch die Drehungserscheinungen der Krystalle sich auf den eben ausgesprochenen Satz zurückführen lassen. Als Knoblauch endlich noch das Verhalten der untersuchten Krystalle zwischen den electrischen Polen mit demjenigen zwischen magnetischen verglich, ergab sich eine einfache Beziehung. Es zeigte sich, dass bei denjenigen derselben, welche zu den magnetischen Körpern gehören, diejenige Richtung, welche bei der Drehung zwischen Magnetpolen diesen sich zukehrt, zwischen den electrischen Polen um 900 von ihnen abweicht, und dass bei den diamagnetischen dieselbe Richtung sowohl von den magnetischen, wie von den electrischen Polen abgewandt wird.
5*


