Aufsatz 
Ueber das Verhalten der Krystalle zu den sogenannten Imponderabilien / von Greiss
Entstehung
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weichung der Figur von der Krcisgestalt rühre davon her, dass die Spitze ungleichförmig gestaltet sei, und so durch die verschiedene Ausströmung der Electricität nach verschiedenen Richtungen jene Abweichung bedingt werde; dagegen spricht jedoch ein Gegenversuch mit derselben Spitze auf Glas, wo sie einen Kreis bildet, und dann auch die constante Lage der Figur auf Gyps, man mag nun die Ausströmungsspitze gegen die Krystalllläche drehen, wie man nur immer will. Stets ist nämlich die Längsrichtung der blossgelegten Figur in einem Winkel von etwa 250 gegen die faserige Spaltungsrichlung des Gypsblättchens geneigt, oder sie bildet mit der der Hauptaxe des Krystalls parallelen glasigen Spaltungsrichtung des Gypses einen rechten Winkel. Offenbar verbreitet sich also die Electricität auf einem Gypsblättchen leichter nach der auf der Hauptaxe senkrechten, als nach jeder anderen Richtung. Ausser mit Gypsblättchen stellte Wiedemann ähnliche Versuche auch mit folgenden krystallisirten Körpern an: essigsaures Kalk-Kupferoxyd, Cöleslin, Schwerspath, Aragonit, Quarz, Turmalin, Apatit, Kalkspath, Borax, Epidot und Feldspath. Krystalle des regulären Systems, wie Alaun, Flussspalh, zeigten nur kreisförmige Figuren, also eine nach allen Richtungen gleiche Leitungs- fähigkeit. Die Beobachtungen an den übrigen Krystallen führten zu dem Schlusse, dass die Electricität auf den Krystallen sich in derjenigen Richtung am schnellsten verbreite, in welcher sich das Licht relativ am schnellsten fortpflanzt. Auch Sénarmont hat aus Lichterschei- nungen in verdünnter Luft an einer Electricität ausströmenden Spitze, die auf eine Krystall- fläche gestellt war, gleichfalls geschlossen, dass die nicht zu dem regulären Systeme gehörigen Krystalle auf ihrer Oberfläche die Electricität in verschiedenen Richtungen mit verschiedener Leichtigkeit fortleiten. Ich kann jedoch auf das Specielle seiner Versuche nicht eingehen, weil mir seine in den Annales de chimie(3. sér. 28. 257) veröffentlichte Abhandlung nicht zugänglich war. 1

Im innigen Zusammenhang mit seinen schon mitgetheilten Untersuchungen versuchte Wiedemann(vergl. Poggend. Ann. Bd. 77.) auch, ob die Electricität, wenn ihr eine be- stimmte Richtung angewiesen ist, im Stande sei, einen freibeweglichen Krystall in eine be- stimmte Lage zu stellen. Zuerst wurden in der Ebene zweier parallelen Schneiden, oder zwischen zweien Spitzen, deren eine Electricität gegen die andere ausströmte, kreisrunde, um ihren Mittelpunkt bewegliche Krystallscheiben isolirt auſgehängt, um zu schen, ob die Rich- tung ihrer besten Leitungsfähigkeit mit der Verbindungslinie beider Spitzen zusammenſiele. Allein die Krystallblättchen geriethen leicht in eine durch die electrische Abstossung oder, bei ungleicher Stellung der Spitzen oder Schneiden, durch den electrischen Wind bedingte Rotalion. Auch der galvanische Strom zeigte sich zu solchen Versuchen als unbrauchbar, da die meisten Krystalle denselben wenig oder nicht leiteten. So kam Wie demann auf die einen Magnet nach der Ampéère'schen Theorie umkreisenden Molecularströme, und ver- muthete, dass die Krystalle sich, wenn der Einfluss ihrer äusseren Gestalt aufgehoben ist, zwi- schen den Polen eines Magnets so richten würden, dass jene Molecularströme mit der Richtung der besten Leitungsfähigkeit der Krystalle zusammenfallen, dass also die Krystalle stets nur dann zur Ruhe kommen würden, wenn die Längsrichtung einer auf ihrer Fläche gebildeten electrischen Figur die äquatoriale Lage hat. Die von ihm angestellten Versuche beslätigten seine Vermuthung. Auch Knoblauch stellte über das Verhalten krystallisirter Körper zwi- schen electrischen Polen eine grosse Reihe von Versuchen an, und verötfentlichte im Jahre 1851 die Resultate derselben im 83. Bande von Poggendorffl's Annalen. Eine Platte von Schwer-