Aufsatz 
Ueber das Verhalten der Krystalle zu den sogenannten Imponderabilien / von Greiss
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

immer nur mit den untersuchten Körpern als Ganzes zu thun, berücksichtigten daher die materielle Verschiedenheit derselben, und gingen nicht auf die Gestaltverhältnisse und dadurch bedingte Richtungsverschiedenheiten ein. Nur in der Abhandlung von Hausmann und Henrici finden sich einzelne, auch diesen letzteren Punkt berührende Bestimmungen. Nach ihnen soll der Malacolith in der Richtung der Krystallaxe am besten leiten, der Diallag aber parallel dem Blätterdurchgang. Solche Verschiedenheiten der Leitung sollen von zufälliger Absonderung herrühren. Auch der Glimmer leitet nach Riess viel besser in der Richtung der Spaltungsfläche, als in der darauf senkrechten, denn wenn man ein Glimmerblatt zwischen zwei gegenüberstehende Spitzen klemmt, und es in den Schliessungsbogen einer Batterie einschaltet, so wird bei der Entladung der Glimmer selten an der Ansatzstelle der Spitzen durchbohrt, sondern gewöhnlich geht der Entladungsfunken über beide Glimmerflächen bis zu einer minder dichten Stelle oder auch bis zu dem Rande des Blattes, und hinterlässt Farben- streifen auf beiden Flächen. Eine andere vereinzelte Thatsache ist die, dass gewisse Stoffe krystallinisch Nichtleiter, amorph dagegen gute Leiter der Electricität sind; so Diamant und Graphit, so Zinnober und das schwarze Schwefelquecksilber. Dieses Verhalten der beiden letztgenannten Körper hat uns Riess durch folgenden Versuch kennen gelehrt. Er schüttete Zinnober in eine Glasröhre mit Kupferboden, und senkte eine Stahlnadel in das Pulver; schwarzes Schwefelquecksilber, das auf nassem Wege gewonnen und stark getrocknet worden war, wurde in eine ähnliche Röhre geschüttet. Der Zwischenraum zwischen Stahlspitze und Kupferboden betrug in dem rothen Präparate ³¾ Linie, in dem schwarzen 14 Linien. Als der Boden der rothen Röhre an den Knopf eines geladenen Electroscops angelegt, und die Stahl- nadel mit der Hand gefasst wurde, verminderte sich die Divergenz des Instruments in einer Minute nicht, aber dasselbe wurde in wenigen Secunden entladen, als die schwarze Röhre zu dem Versuche benutzt wurde. Die Frage, ob eine Leitungsverschiedenheit nach verschie- denen Richtungen in den Krystallen vorhanden sei, hat sich in ihrer Allgemeinheit zuerst Wiedemann gestellt. Er hat die von ihm gewonnenen Resultate der physicalischen Ge- sellschaft zu Berlin am 2. Februar 1849 in einer Abhandlung mitgetheilt, welche er dann auch in Poggend. Ann. Bd. 76 veröffentlichte. Ueber die Art und Weise seiner Beobachtung pelehrt uns folgende Stelle:Bestreut man eine Glas- oder Harzfläche mit einem feinen, schlechtleitenden Pulver, wie Lycopodium, Mennige u. dgl. m., befestigt sodann senkrecht auf derselben mit einem geeigneten Halter eine isolirte, feine Spitze, etwa eine Nähnadel, und theilt durch Annäherung des Knopfes einer mit positiver Electricität geladenen Leydner Flasche derselben Electricität mit, so entfernt sich von der electrisirten Spitze das Pulver nach allen Richtungen hin gleichförmig in Folge der überallhin gleichen electrischen Abstossung, und entblösst auf diese Weise eine in ihren Umgrenzungen sehr nahe kreisförmige von Strahlen durchzogene Figur, welche die grösste Aehnlichkeit mit den durch Bestreuen einer an einem Punkte positiv electrisirten Harzplatte erhaltenen s. g. Lichtenberg'schen Figuren hat. Wendet man statt des Glases die Fläche eines Krystalls, etwa ein Gypsblättchen, an, so sieht man deutlich, wie sich das Pulver nicht mehr nach allen Dimensionen hin gleichmässig, sondern am meisten nach zwei diametral einander entgegengesetzten Richtungen, nach den senkrecht darauf stehenden Richtungen am wenigsten, von der electrischen Spitze entfernt. Die hierbei blossgelegte Fläche ist annähernd elliptisch, und zwar so excentrisch, dass ihre grösste und kleinste Ausdehnung sich etwa wie 2 oder 3 zu 1 verhalten. Man könnte meinen, die Ab- 5