27
stossung der optischen Axen durch die Pole eines Magnets als eine allgemeine Eigenschaft der Krystalle glaubte gefunden zu haben, lag ihm der Gedanken nahe, zu untersuchen, ob das rasch abgekühlte Glas, wie in optischer Hinsicht, so auch in magnetischer ein analoges Verhalten mit den Krystallen zeige, und wirklich ergaben ihm seine Versuche das Resultat, dass ein rasch abgekühlter Glascylinder zwischen den Magnetpolen sich wie ein einaxiger Krystall verhalte, wobei die Axe des Cylinders die Stelle der optischen Axe einnehme, und dass er diese Eigenschaft in Folge der raschen Abkühlung erhalten habe. Im Jahre 1848 fand auch Faraday die Anziehung einer bestimmten Richtung in gewissen krystallisirten Mineralien, wenn sich dieselben zwischen den Polen eines Magnets befinden. Es ist diejenige Richtung, welche senkrecht auf der Hauptspaltungsfläche steht, und welcher er den Namen Magnekrystallaxe beigelegt hat. Die Anziehung dieser Richtung wurde von ihm ent- schieden bei folgenden fünf Substanzen beobachtet: Wismuth, Antimon, Arsenik, schwefel- saurem Eisenoxydul und schwefelsaurem Nickeloxyd. Auch natürliche Krystalle von Iridium und Osmium, sowie krystallisirtes Titan und Tellur schienen magnekrystallinisch zu sein, während eine ganze Reihe anderer Körper keine Spur von Magnekrystallinität zeigte. Plücker, der die Versuche wiederholte, fand sie bestäligt, und war von der Stärke der neuen Wirkung überrascht. Nur das Antimon verhielt sich ihm gerade umgekehrt. In einer späteren im Jahre 1849 in Poggendorfl's Annalen erschienenen Abhandlung modificirt Plücker das in der ersten Abhandlung von ihm aufgestellte opto-magnetische Gesetz von der Ab- stossung der optischen Axen dahin, dass je nach dem krystallinischen Gefüge der Krystalle die optischen Axen durch die Pole eines Magnets entweder abgestossen oder angezogen werden, dass, wenn der Krystall ein negativer ist, Abstossung stattfinde, Anziehung aber erfolge bei positiven Krystallen. Zu der früheren Ansicht, nach welcher überall eine Ab- stossung der optischen Axe angenommen wurde, es mochte der Krystall positive oder negative doppelte Strahlenbrechung erleiden, hatten die Versuche mit einem Quarzkrystall ver- leitet, der aber wegen seines Eisengehaltes magnetisch war, und sich in Folge dessen so stellte, dass seine optische Axe abgestossen wurde. Bei seinen Versuchen war Plücker auch auf einen Krystall gestossen, bei welchem die Einwirkung auf die optischen Axen so stark hervortrat, dass er bei freier Beweglichkeit schon durch den Erdmagnetismus Richtkraft und Polarität zeigte. Er schreibt darüber in einem Briefe an Faraday:„Der Cyanit ist bei weitem der interessanteste Krystall, den ich untersucht habe. Horizontal aufgehängt zeigt er vermöge der Magnetkraft der Erde allein sehr gut gen Nord. Er ist eine wahre Compassnadel, und mehr als dies: Sie können seine Declination erhalten. Hängen Sie denselben z. B. so auf, dass die den Winkel der beiden optischen Axen halbirende Linie in der durch die Axe des Prisma's gehenden Verticalebene liegt, so stellt sich der Krystall genau so, wie eine Compassnadel. Der Krystall stellt sich nicht vermöge des Magnetismus seiner Substanz, sondern bloss in Folge der magnetischen Einwirkung auf seine optischen Axen. Der Krystall zeigt auch insofern einer Magnetnadel ähnlich eine starke Polarität, da er immer dasselbe Ende nach Norden richtet“. Später fand er, dass auch der Augit und der magnetische Zinnstein sich dem Cyanit ganz ähnlich verhalten. Knoblauch und Tyndall stellten gemeinschaftlich eine Reihe von Versuchen an, um den Umfang des Plücker'schen Gesetzes, dass zwischen den Polen eines Magnets eine Abstossung der optischen Axe bei
negativen und eine Anziehung bei positiven Krystallen stattfinde, näher kennen zu lernen. 4*


