Aufsatz 
Ueber das Verhalten der Krystalle zu den sogenannten Imponderabilien / von Greiss
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

Farben a und c auflösst. Dreht man dann den Krystall um die lothrechte Axe, bis man durch eine Fläche sieht, welche auf der anderen der beiden horizontalen Axen senkrecht ist, so sicht man im natürlichen Lichte eine Flächenfarbe C, durch die Loupe aber wieder zwei verschiedene a und b. Wird endlich der Krystall senkrecht auf die Basis geschen, so er- scheint eine dritte Flächenfarbe A, welche sich in der Loupe zu b und c zerlegt. Man erhält also hier drei extreme Flächenfarben, welche aus der Combination der drei Farben a, b und c zu zweien entstehen, und von Haidinger Axenfarben genannt werden. Ganz dieselben Erscheinungen, wie die rhombischen Krystalle, zeigen auch die monoklinischen und triklinischen, sobald man nur deren Axen richtig stellt. Die optisch zweiaxigen Krystalle zeigen also keinen Dichroismus, sondern Trichroismus. Haidinger hat daher auch für die ganze Erscheinung den Namen Pleochroismus vorgeschlagen, um zu gleicher Zeit auch noch anzudeuten, dass die zwei oder drei Farben, welche man gewöhnlich an den Krystallen im durchgehenden Lichte unterscheidet, nur Extreme sind, zwischen welchen man wiederum Zwischenstufen anzunehmen hat. Es hat sich also auch durch diese Untersuchungen heraus- gestellt, dass die Krystalle in Beziehung auf die Erscheinungen des Pleochroismus vollkommen wie nach ihren übrigen oplischen Erscheinungen und nach ihrer Form in drei grosse Kathegorien zerfallen: 1) in die regulären Krystalle, welche gar keinen Pleochroismus zeigen; 2) in die- jenigen des quadratischen und hexagonalen Systems, an welchen Dichroismus beobachtet wird; und 3) in diejenigen der drei letzten Krystallsysteme, die einen Trichroismus wahr- nehmen lassen.

Je nach der Art und der Vollkommenheit, mit welcher die Oberfläche eines Minerals die Lichtstrahlen reflectirt, ist der Glanz der Mineralien verschieden. Man unterscheidet denselben nach seiner Art und nach dem Grade seiner Stärke. Der letztere jedoch hängt ploss von der Grösse und der Ebenheit der reflectirenden Flächen, also von zufälligen Um- ständen, ab, die erstere dagegen ist in dem Wesen der Mineralkörper selbst begründet, und muss daher als Unterscheidungsmerkmal mit zur Bestimmung der Mineralien dienen. Während nun alle gleichwerthigen Flächen desselben Krystalls stets dieselbe Art und auch dieselben Grade des Glanzes zeigen, wird an den ungleichwerthigen Krystallflächen derselben Substanz oft ein verschiedener Glanz beobachtet, und wenn eine solche Verschiedenheit wegen ihrer Feinheit nicht überall wahrzunehmen ist, so steht doch zu vermuthen, dass sie, streng ge- nommen, zwischen allen solchen Flächen stattfinde. So besitzt z. B. die vollkommenste Theilungsfläche am Gyps und am Glimmer Perlmutterglanz, die übrigen Flächen aber nur Glasglanz. Ebenso zeigen die Endflächen beim Apophyllit und dem Kalkspath Perlmutterglanz, die Prismenflächen aber Glasglanz; der Glasglanz des Nephelins und des Wernerits nähert sich im Querbruche dem Fettglanz und auf den Längen-Theilungsflächen dem Perlmutter- glanz u. s. w.

B. Verhalten zur Wärme.

Wenn wir hier zunächst zu der Einwirkung der strahlenden Wärme auf die Krystalle übergehen, so muss vor allen Dingen bemerkt werden, dass sich wenigstens bis jetzt noch die Untersuchungen nur auf eine geringe Anzahl von Körpern erstrecken, und zwar haupt- sächlich wohl aus dem Grunde, weil eine sichere Beobachtung hier viel mehr Schwierigkeiten darbietet, als dies bei dem Lichte der Fall war. Es können daher auch die gewonnenen Resultate, streng genommen, nur von den untersuchten Körpern behauptet werden, doch

3