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nachdem der rechts oder links rotirende Strahl den Krystall mit grösserer Geschwindigkeit durchläuft. Dass ausser dem Quarze auch noch einigen Flüssigkeiten, wie Biot gefunden hat, die Eigenschaft, die Polarisationsebene zu drehen, zukommt, sei hier nur kurz erwähnt. Aus dem Versuche von Huyghens war es bekannt, dass, wenn man einen polarisirten Strahl durch einen Kalkspath hindurchgehen lässt, in gewissen Lagen des Krystalls zu dem Strahle von letzterem nicht zwei, sondern nur ein Bild erzeugt wird. Schiebt man aber auf dem Wege des Strahles, ehe er den Kalkspath trifft, ein dünnes Blättchen eines doppelt- brechenden Körpers(etwa von Glimmer oder krystallisirtem Gypse) ein, so werden auch in diesen Lagen zwei Bilder wahrgenommen, und zwar sind dieselben nicht mehr farblos, sondern es zeigt jedes eine besondere Farbe; doch so, dass die Farbe des einen die complementäre Farbe des anderen ist. Diese schöne Entdeckung wurde zuerst von Arago gemacht, der im August des Jahres 1811 Bericht darüber dem französischen Institute abstattete. Weil aber die Entstehung nur eines Bildes Wirkung der Polarisation des Strahles ist, wie oben gezeigt wurde, und weil dem Anscheine nach diese Wirkung durch die Einschiebung des Krystallblättchens wieder aufgehoben wird, so nannte Arago die auf diese Weise erzeugte Modification des Lichtes die Depolarisation desselben. Die nähere Erforschung der Er- scheinungen hat jedoch ergeben, dass hier nicht eine Vernichtung oder Aufhebung der Polarisation stattfindet, sondern dass eine Combination eines neuen polarisirenden Einflusses mit dem bereits vorhergegangenen eintritt, und desswegen hat man später für diese Erschei- nungen das Wort Dipolarisation vorgeschlagen, das den Vorgang wenigstens richtiger bezeichmet. Von dem Umstande, dass die Bilder farbig sind, hat man auch den Namen chromatische oder farbige Polarisation entlehnt. Unabhängig von Arago, wie- wohl etwas später, wurden die Erscheinungen der chromatischen Polarisation auch von Brewster entdeckt, der uns in seiner im Jahre 1813 erschienenen Schrift„Treatise on new philosophical Instruments“ viele interessante Versuche über die dipolarisirende Eigenschaft der Mineralien mittheilt. Eine zweite Farbenerscheinung bietet sich uns in den Farbenringen dar, die man erhält, wenn man einen Kegel polarisirten Lichtes durch eine doppeltbrechende Kry- stallplatte, deren Ebene senkrecht auf der optischen Axe steht, hindurchleitet, und hierauf das Blättchen vermittelst eines Turmalins oder eines Doppelspaths anschaut. Zum ersten Male wurden dieselben im Jahre 1814 von Wollaston im Kalkspath beobachtet, und schon im darauf folgenden Jahre wurden solche Beobachtungen auch von Biot angestellt. Im Jahre 1818 entdeckte dann Brewster die Verschiedenheit der Farbenringe, je nachdem man den Versuch mit einem optisch ein- oder zweiaxigen Krystall anstellt. Er fand, dass sie in dem ersteren concentrische Kreise sind, welche von einem rechtwinkligen schwarzen Kreuze durchschnitten werden, in dem letzteren dagegen ovale und verschlungene Curven mit zwei Polen(wenn nämlich der Krystall senkrecht zur Mittellinie, also zu derjenigen Linie geschliſfen ist, die den Winkel der beiden optischen Axen halbirt), welche zugleich die Scheitel zweier schwarzen, die farbigen Curven durchschneidenden Hyperbeln sind. Da sich im weissen Lichte die Curven so überdecken, dass sich ihre Form nur durch die Gleichfar- bigkeit ihrer Punkte erkennen lässt, so hat man ihnen den Namen isochromatische Curven beigelegt. Im Jahre 1819 hat Herschel gezeigt, dass die isochromatichen Curven der zweiaxigen Krystalle die unter dem Namen der Lemniscaten bekannten krummen Linien sind, derjenigen Curven, bei welchen stets das Product der beiden Radien Vectoren eine


