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Ein durch einen senkrecht gegen die Axe geschnittenen einaxigen Krystall in senk- rechter Richtung gegen die Begrenzungsflächen gehender polarisirter Lichtstrahl erleidet durch diesen Durchgang keine Veränderung. Wenn er daher nach diesem Durchgange eine spie- gelnde Fläche trifft, so wird er unter denselben Bedingungen von derselben reflectirt oder nicht, unter welchen dies auch der Fall gewesen wäre, wenn er gar nicht durch den Krystall hindurchgegangen sein würde. Der Krystall ist dann nämlich, wie schon erwähnt wurde, gewissermassen als ein einfachbrechender Körper zu betrachten, und da jetzt kein Grund vorhanden ist, warum die schwingenden Aethertheilchen nach irgend einer Richtung im Krystall einen grösseren Widerstand ihrer Bewegung finden sollten, als nach einer anderen, so tritt der Strahl mit unveränderter Polarisationsebene(man versteht darunter eine Ebene, welche durch die Richtung des Strahles rechtwinklig auf diejenige Ebene gelegt ist, in welcher die Schwingungen der Aethertheilchen des polarisirten Strahles vor sich gehen) aus dem Krystall aus. Von diesem von allen einaxigen Krystallen befolgten Gesetze macht, wie Arago zuerst im Jahre 1811 beobachtet hat, nur der einzige Quarz eine Ausnahme, indem der aus dem- selben austretende polarisirte Lichtstrahl mehr oder weniger seine Polarisationsebene geändert hat. Kurz darauf fand Biot, dass einige Individuen dieses Minerals die Polarisationsebene nach der einen, andere nach der anderen Seite drehen, wesshalb man sie auch in rechis- drehende und linksdrehende eintheilt. Herschelzeigte, dass sich diese optische Verschiedenheit auch durch eine Verschiedenheit in der Krystallgestalt kundgibt, indem bei den rechtsdrehenden In- dividuen auch die Kantenzone von Rechts oben nach Links unten geht und bei den linksdrehenden von Links oben nach Rechts unten unbeschadet der sonstigen Symmetrie der Gestalten und der vollkommenen Uebereinstimmung in der Neigung ihrer Begrenzungsflächen. Brewster lehrte uns die Amethyste als eine Vereinigung von rechts- und linksdrehenden Bergkrystall-Individuen kennen. Nach den neuesten, diesen Gegenstand betreffenden Untersuchungen Dove's ergab sich das Gesammtresultat, dass die Bergkrystalle optisch in drei Klassen zerfallen, nämlich 1) in rechtsdrehende, 2) in linksdrehende und 3) in die Combination beider, und zwar a) rechtsdrehende mit Stellen, wo sie wie combinirte Platten(d. h. eine rechts- und eine linksdrehende von gleicher Dicke in gleichem Sinn auf einander gelegt) oder positiv einaxige Krystalle sich verhalten; b) linksdrehende mit Stellen, wo sie wie combinirte Platten oder positiv einaxige Krystalle sich verhalten, und c) Amethyste, welche an bestimmten Stellen sich wie rechtsdrehende, an anderen wie linksdrehende, und an den Uebergangsstellen sich wie positiv einaxige Krystalle verhalten. Das Hervortreten dieser Erscheinungen im Quarze oder Bergkrystall schrieb man wieder einer eigenen Modiſication des Lichtes zu, welche man mit dem Namen der Gircularpolarisation belegte. Nach den Gesetzen der Mechanik hat man nämlich gezeigt, dass unter Umsländen durch das Zusammenwirken zweier recht- winklig zu einander polarisirten Strahlen ein Strahl entstehen müsse, der sich von den ge- wöhnlich polarisirten(linear-polarisirten) Strahlen dadurch unterscheidet, dass die Schwingungen der Aethertheilchen nicht alle in derselben Ebene senkrecht zur Richtung des Strahles erfol- gen, sondern dass sie lauter kreisförmige Spiralen um den Strahl herum bilden. Nimmt man nun an, dass in dem senkrecht zur Axe geschliffenen Quarze sich in der Richtung der krystallographischen Hauptaxe zwei solche circularpolarisirte Strahlen von entgegengesetz- ter Rotationsrichtung fortpflanzen, so erklären sich durch die Interferenz dieser beiden Strahlen die Erscheinungen vollkommen, und der Krystall ist rechts- oder linksdrehend, je


