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Abkühlung jedes Glas dieselbe Eigenschaft erhält; als endlich in Edinburg ein äusserst ge- schickter Physiker, Brewster, sie durch gewaltsames Zusammenpressen von Glasmassen in bestimmten Richtungen erzeugte. Zu zeigen also, dass eine gewöhnliche Glasplatte nach der erwähnten Modification durch Abkühlung oder Druck das Licht stets in zwei Bündel zerlegt, das ist die wichtige Aufgabe, welche Fresnel sich stellte, und mit seinem gewohnten Glücke löste.“ Nachdem also Fresnel die Richtigkeit des Schlusses aus jenen angedeuteten Er- scheinungen auf die doppelte Brechung eines Körpers durch seinen Versuch mit dem aus lauter rechtwinkligen Glasprismen zusammengesetzten Parallelepiped ausser allen Zweifel geseizt hatte, konnte bald Brewster als Resultat seiner Forschungen aufstellen, dass die Er- scheinung der doppelten Brechung in allen Krystallen stattfinde, ausgenommen in denjenigen des regulären Systems. Er wies ferner die Existenz einer einzigen optischen Axe(unter einer optischen Axe eines doppeltbrechenden Körpers versteht man eine solche Richtung, in welcher ein einfallender Lichtstrahl sich in dem Innern des Körpers nicht in zwei spaltet) bei den Krystallen des quadratischen und hexagonalen Systems, sowie ihr Zusammenfallen mit der krystallographischen Hauptaxe nach, und machte bald darauf, im Jahre 1815, die Entdeckung, dass die Krystalle des rhombischen, monoklinischen und triklinischen Systems zwei solche optische Axen besitzen, und dass auch bei diesen Krystallen ein inniger Zu- sammenhang zwischen den optischen Verhältnissen und den krystallographischen Axen statt- findet. Diesen Entdeckungen Brewster's fügte Fresnel bald die weitere, wichtige hinzu, dass bei den Krystallen der drei letzten Krystallsysteme die zwei Strahlen, in welche das einfallende Licht sich spaltet, beide anomale Brechungen erleiden, dass also das Gesetz von Willibrod Snell in diesen Krystallen nicht einmal den Weg eines Strahles kennen lehrt, wie doch beim Kalkspath und allen optisch einaxigen Krystallen der Fall ist. Als Fresnel; sagt Arago, zum ersten Male diese unerwartete Thatsache bekannt machte, hatte er sie nur noch mit Hilfe einer indirekten Methode verificirt, die den eigenthümlichen Umstand darbot, dass die Brechung der Lichtstrahlen aus Versuchen abgeleitet wurde, bei denen überhaupt keine Refraction stattfindet; jeder Widerspruch gegen die gefundene Thatsache ward aber unnütz, als er zeigte, dass in einem Parallelepipedon aus Topas, das er aus zwei unter gleichen Winkeln geschnittenen Prismen zusammenfügte, kein Strahl zwischen zwei parallelen und gegenüberstehenden Flächen ohne Ablenkung seinen Weg fortsetzte. Fresnel blieb aber hierbei noch nicht stehen, sondern es gelang ihm auch, das wahre Gesetz dieser verwickelten Er-
scheinungen, d. h. das allgemeinste Gesetz der Brechung des Lichtes, welches die Gesetze von Snell(einfache Brechung) und von Huyghens(doppelte Brechung in einaxigen Kry- stallen) als besondere Fälle in sich schliesst, aufzustellen. Biot lehrte uns dann den Unter- schied zwischen positiven und negativen Krystallen kennen, indem er fand, dass bald der extraordinäre, bald der ordinäre Strahl der stärker gebrochene sei. Die positiven nannte er auch anziehende oder attraktive, und die negativen abstossende oder repul- sive Krystalle, weil es den Anschein hat, als ob der ungewöhnliche Strahl von der Axe der positiven Krystalle angezogen, und von derjenigen der negativen abgestossen würde. Rud- berg(vergl. Poggend. Ann. XXVI. p. 291), der Untersuchungen über die doppelte Brechung im Kalkspath und Bergkrystall bei höheren Temperaturen anstellte, hat gezeigt, dass das Ver- hältniss der Brechungsexponenten für die beiden durch doppelte Brechung entstandenen Strahlen sich mit der Temperatur ändert, und kleiner wird, wenn diese wächst. Der jüngere 2


