Aufsatz 
Ueber das Verhalten der Krystalle zu den sogenannten Imponderabilien / von Greiss
Entstehung
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ausserordentliche Strahl auch noch aus der Einfallsebene heraus, und entfernt sich von dem Haupischnitt desto mehr, je grösser der Winkel ist, welchen die Einfallsebene mit dem Haupt- schnitte einschliesst. 3) Lässt man den Krystall so schneiden, dass er zwei Ebenen erhält, welche auf der Axe senkrecht stehen, so beobachtet man, dass ein auf den neuen Oberflächen senkrecht auffallender, somit zur Axe paralleler Strahl sich nie in zwei Theile spaltet, son- dern ungebrochen durchgeht; doch tritt sogleich eine doppelte Brechung ein, wenn der Strahl in schiefer Richtung auffällt. Dabei bleibt der ungewöhnlich gebrochene Strahl in der Einfalls- ebene, aber er entfernt sich von der Axe mehr als der gewöhnliche, und dies desto stärker, je grösser der Einfallswinkel wird. Bei einerlei Einfallswinkeln ist die Abweichung rings um die Axe dieselbe. 4) Gibt man dem Kalkspath zwei Ebenen, von welchen die eine schief, die andere senkrecht auf der Axe steht, und lässt den Lichtstrahl auf die gegen die Axe geneigte Pläche in einer Richtung fallen, dass er nach der Brechung mit der Axe parallel wird, so geht er auch jetzt durch den Krystall ungetheilt durch, und tritt wieder, ohne gebrochen zu werden, heraus. Fällt der Strahl auf die gegen die Axe senkrechte Ebene senkrecht auf, so geht er ungebrochen und ungetheilt durch den Krystall hindurch, und wird bei seinem Aus- tritt nach den Gesetzen der einfachen Brechung gebrochen. 5) Hat man dem Krystalle zwei zur Axe parallele Ebenen gegeben, und lässt auf eine dieser Ebenen einen Lichtstrahl so auf- fallen, dass die Einfallsebene auf der Axe senkrecht steht, so bleibt sowohl der gewöhnlich gebrochene, als der ungewöhnlich gebrochene Strahl in der Einfallsebene. Auch haben in diesem Falle beide Lichtbündel ein bei allen Einfallswinkeln gleich bleibendes Brechungsver- hältniss(1,6543 und 1,4833, das erste für den gewöhnlich gebrochenen, das zweite für den ungewöhnlich gebrochenen Strahh). Ersterer liegt dem Einfallslothe näher, als letzterer. Fällt bei einem parallel zur Axe geschnittenen Krystalle der Lichtstrahl so ein, dass die Einfalls- ebene durch die Axe oder ihr parallel geht, so sind abermals beide Bündel in der Einfalls- ebene, aber der ungewöhnlich gebrochene, welcher in allen Fällen der doppelten Brechung im Doppelspath von der Axe des Krystalls gleichsam abgestossen erscheint, wird jetzt dem Einfallslothe näher liegen, als der gewöhnliche. Aber Huyghens stellte nicht nur diese empirischen Gesetze auf, sondern er wagte sich auch an die noch viel schwierigere Aufgabe, nämlich die Art und Weise, wie das Licht bei der Erzeugung dieser Erscheinungen thätig ist, näher zu erforschen. Auch auf diesem Gebiete war er nicht weniger glücklich. Er erklärte sich nämlich schon diese sonderbaren Erscheinungen durch die Annahme von wellenförmig fortgepflanzten Schwingungen oder Wirbeln der Lichtmaterie, und liess die ungewöhnliche Brechung von sphäroidischen Lichtwellen, die gewöhnliche aber von sphärischen verursacht werden. Dadurch ist er zum Vater der Undulationstheorie geworden, also derjenigen Ansicht von dem Wesen des Lichtes, welche jetzt zur fast unbestreitbaren Wahrheit geworden ist, und desswegen die allgemeinste Verbreitung gefunden hat. Die Schrift, in welcher Huyghens die Resultate seiner Forschungen über die Doppelbrechung des Lichtes niederlegte, wurde schon im Jahre 1678 verfasst, aber erst im Jahre 1690 von ihm bekannt gemacht, und führt den TitelTractatus de lumine. Von Huyghens an trat dann in unserer Lehre ein über 100 Jahre dauernder Stillstand ein, und selbst die wichtigen mitgetheilten Resultate dieses geist- reichen Physikers wurden kaum einer weiteren Beachtung für würdig gehalten. Erst im Jahre 1808 kam wieder neues Leben in dieses Gebiet der Forschung, als der Gegenstand der dop- pelten Brechung von dem französischen Institute als Preisfrage vorgelegt wurde. Der Preis