A. Verhalten zum Lichte.
Die erste hierher gehörige Thatsache stammt schon aus dem 17. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte desselben wurde nämlich von Erasmus Bartholinus, Professor der Geometrie und Medicin zu Kopenhagen, die Beobachtung gemacht, dass ein auf einen Kalkspath auffal- lender Lichtstrahl in der Regel nicht einfach durch denselben hindurchgehe, sondern bei sei- nem Eintritt in den Krystall in zwei Lichtstrahlen gespalten werde, die nach verschiedenen Richtungen denselben durchlaufen, dass also der Krystall das Licht doppelt breche. Arago erzählt uns in seiner in der Academie der Wissenschaften auf Fresnel gehaltenen Gedächtnissrede(s. dessen sämmtliche Werke Bd. I.) diese wichtige Entdeckung mit folgenden Worten:„Während die grössten Geometer des 17. Jahrhunderts(Descartes, Fermat, Huyghens, Newton) mit dem Refractionsgesetz beschäftigt waren, brachte ein von Island kommender Reisender Exemplare von schönen Krystallen, die er in der Bai von Roerford ge- sammelt hatte, nach Kopenhagen. Ihre grosse Dicke, ihre bemerkenswerthe Durchsichtigkeit machten sie zu Refractionsversuchen sehr geeignet. Bartholin, dem sie übergeben worden, beeilte sich, verschiedene Experimente damit anzustellen; allein wie gross war sein Erstaunen, als er bemerkte, dass in ihnen das Licht sich in zwei abgesonderte Strahlenbündel von genau gleicher Intensität theilte, als er, mit einem Worte, erkannte, dass durch die isländischen Krystalle, die man seitdem an sehr vielen Orten gefunden hat, alle Gegenstände doppelt erscheinen.“ Erasmus Bartholinus veröffentlichte im Jahre 1669 die von ihm gemachte Entdeckung in einem Werke, das den Namen führt:„Experimenta Crystalli Islandici, disdiaclastici, quibus mira et insolita refractio detegitur.“ Der Kalkspath selbst, von welchem der isländische Spath nur eine durch seine grosse Durchsichtigkeit ausgezeichnete Varietät ist, hat wegen dieser Eigenschaft, das Licht doppelt zu brechen, seit jener Zeit auch den Namen Doppelspath erhalten. Bald darauf wurde dieselbe Eigenschaft der Doppelbrechung von Huyghens auch noch an einem anderen Krystalle, dem OQuarze, entdeckt. Er liess sich nämlich aus Berg- krystall, der wasserhellen Varietät des Quarzes, Prismen nach verschiedenen Schnitten schleifen und gut poliren, und nahm wahr, dass eine Lichtflamme oder das Blei an den Fenstern durch selbige doppelt erschien, wiewohl die Bilder nahe bei einander lagen. Auch bemühte sich Huyghens die Erscheinungen an dem isländischen Krystalle genauer zu bestimmen, und in der That ist es ihm geglückt, die Gesetze derselben vollständig aufstellen zu können. Es sind folgende: 1) Ein senkrecht auffallender Strahl theilt sich im Krystall in zwei Bündel, von welchen das eine den gewöohnlichen Brechungsgesetzen gemäss ungebrochen durchgeht, das andere aber eine ungewöhnliche Brechung erleidet, indem es um 6⁰ 12/ 38“ gegen den spitzen Winkel des Rhomboéders(es ist dies die häufigst vorkommende Krystallform des Kalk- spaths) abgelenkt wird, beide bleiben aber in derselben Ebene. 2) Beim schiefen Einfallen des Lichtstrahls hat man zu unterscheiden, ob die Einfallsebene mit dem Hauptschnitte(es ist dies eine Ebene, welche durch die Hauptaxe und eine Kante der stumpfen Ecke des Rhom- boéders gelegt ist) parallel ist oder nicht. In beiden Fällen erfolgt eine Spaltung des Strahles in zwei Strahlenbündel, von welchen das eine den gewöhnlichen Brechungsgesetzen folgt, das andere aber eine ungewöhnliche Brechung erleidet, indem es sich nach anderen Gesetzen rich- tet. Im ersten Fall bleiben beide Bündel in der Einfallsebene, doch ändert sich der Brechungs- exponent des ungewöhnlich gebrochenen Bündels mit dem Einfallswinkel; im zweiten tritt der
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