4
oder hemiédrischen Formen finden, liegt in der Natur der Sache. Ein anderer wesentlicher Unterschied der hemiédrischen Formen besteht noch darin, dass bei dem Weglallen der ab- wechselnden Flächen die einen ihre parallelen Flächen verlieren, die anderen sie beibehalten. Die hemiédrischen Formen zerfallen also hiernach in solche, welche parallele Flächen haben, und in solche, welche keine parallele Flächen haben, in parallelflächig-hemiédrische und in geneigtflächig- hemiédrische Formen.
Ich hielt die Erörterung dieser wenigen krystallographischen Begriffe für nothwendig, obgleich ich wohl weiss, dass ich damit weder den Physikern, noch viel weniger den Kry- stallographen das allergeringste Neue gesagt habe. Der Grund, welcher mich bestimmte, war die Ansicht, dass man, da von allen Personen, welchen solche Gelegenheitsschriften in die Hände kommen, die wenigsten Männer von Fach sind, auf die grosse Mehrheit geeignete Rücksicht nehmen, und möglichst Alles, was zum Verständniss des Vorgetragenen unumgäng- lich erheischt wird, anführen müsse. Nach dieser unbedeutenden kryslallographischen Ex- cursion wenden wir uns jetzt dem Gebiete der Physik zu. Schon oben wurde bemerkt, dass, wenn man die Krystalle mit Rücksicht auf gewisse physicalische Eigenschaften untersuche, sich ebenfalls eine Verschiedenheit der Richtungen bemerklich mache. Mit Bezug auf solche Untersuchungen sagt Naumann(Lehrbuch der Krystallographie):„Untersuchen wir die physicalischen Eigenschaften der Krystalle, um den etwaigen Zusammenhang zu entdecken, welcher zwischen ihnen und der Krystallgestalt obwaltet, so finden wir, dass diese Gestalt und der Complex jener Eigenschaften keineswegs in einer ganz beziehungslosen Unabhängig- keit von einander stehen, und dass folglich die Gesetze der Gestaltung keineswegs be- deutungslos für denjenigen sein können, welcher die physicalischen Eigenschaften der Krystalle näher erforschen will. Im Gegentheil entdecken wir eine Menge so überraschender Be- ziehungen, so unzweifelhafter Beweise einer gegenseitigen Abhängigkeit, eines inneren und nothwendigen Wechselverhältnisses, dass wir sehr bald zu dem Schlusse gelangen, die Krystall- gestalt sei nur die Grenze des Spielraumes derselben Kräfte, welche das Dasein des Krystalls und somit die*ganze Eigenthümlichkeit seines Wesens bedingen, sie sci nur der räumliche Ausdruck dieses Wesens, das seinem inneren Gehalte entsprechende äussere Gepräge“. Indem dann Naumann unmittelbar zu der Verschiedenheit der Cohäsion nach den verschiedenen Richtungen eines Krystalls übergeht, fährt er so fort:„Prüfen wir z. B. die Cohärenz, als eine der wichtigsten, unmittelbar an der Substanz haflenden physischen Eigenschaften der festen Körper, nach der Art und Weise, wie sie sich in den Krystallen offenbart, so finden wir unsere Behauptung auf eine ganz unwiderlegliche Art bestätigt. Denn was sind jene Blätterdurchgänge am Kalkspath, am Bleiglanze und allen Krystallen, welcher Species sie angehören mögen, was sind sie Anderes, als die nothwendigen Folgen einer nach gewissen Richtungen hin auf ein Minimum herabgesunkenen Cohärenz? Und wenn diese Blätterdurch- gänge im genauesten, malhematisch erweislichen Zusammenhange mit der Krystallreihe der Species stehen, an welcher sie vorkommen, wenn sie jeder Zeit den Flächen gewisser Ge- stalten dieser Krystallreihe parallel laufen, wenn sie bei gehöriger Anzahl regelmässige Spal- tungsstücke liefern, welche sich durch Nichts, als den Mangel der Ursprünglichkeit, von den Krystallgestalten unterscheiden, was Anderes kündigt sich uns in diesem Allen an, als dass die Cohärenzverhältnisse der Krystalle in nothwendigem Causalzusammenhange mit ihren Gestaltverhältnissen stehen, und dass eine gemeinschaftliche Ursache beiden zu Grunde liegen


