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41.
Nichts ist verderblicher für Lehrer und Schüler, als wenn ersterer um die Gunst letzterer buhlt.
42.
Der Lehrer sei in der Regel sanftmüfhig und von Herzen demüthig; doch giebt es auch Fülle, wo es frommt, wenn er ein Jupiter fonans wird. Es bedarf zuweilen der einzelne Schüler oder die ganze Classe einer kräftigen Erschütterung, und da muss, möchte ich sagen, darein gedonnert werden. Solche Gewitter dürfen indessen nur seltene Erschei- nungen und jedenfalls nie von langer Dauer sein.
43.
Der Lehrer muss zuweilen zürnen, darf aber nie keifen. Er sei haushälterisch mit dem Lobe ebensowohl, als mit dem Tadel; er strafe selten, aber wenn diess nöthig ist, stets mit Nachdruck. Schüler dadurch zu strafen, dass man sie dem Gelächter ihrer Mitschüler preisgiebt, ist in den meisten Fällen höchst bedenklich.
44.
Weit mehr, als lange und daher langweilige Strafpredigten, wirket oft ein einziger strafender Blick des Lehrers, erschüttert den nicht ganz verhärteten Schüler ein blosses: Pfui, das war hässlich!
45..
Zeige, wenn du strafst, nie Arger oder leidenschaftliche Hitze, wohl aber ernsten Unwillen und Schmerz, und grolle nie dem Gestraften.
46.
Wohl darfst du, wenn ein Schüler schlecht antwortet, seine Antwort als dumm, wenn er sich ungezogen betrug, sein Benehmen als flegelhaft bezeichnen; aber nenne ihn selbst nicht einen Dummkopf oder Flegel. Der Lehrer soll nie schimpfen!
47. Milde Strenge des Lehrers ist die Mutter des wahren Gehorsams der Schifler; schroffe Ilärte erzeugt bald Scheintehorsam und Augendienerei, bald Widerspenstigkeit und Trotz.
48. Scheingehorsam wird nur zu oſft von angehenden Lehrern für Gehorsam gehalten. Eine gut gezogene Classe ist darum noch keine gute Classe. Sieh und höre, was die Schüler thun und reden, wenn der Lehrer den Rücken gekehrt hat, und dann urtheile.
49. Der Lehrer strafe mit besonnener Ruhe, aber nicht mit Kaltblitigkeit, die den Sträf- ling erbittern würde. Der Schüler muss die Nothwendigkeit der Strafe erkennen, und dass es dem Lehrer weh thue, zu strafen.


