Aufsatz 
Proben physikalischer Übungsaufgaben / vom ... R. Kohlrausch
Entstehung
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36.

Dass man mit heiterer Stimmung an den Unterricht sehe, ist zwar sehr wünschens- werth, lässt sich aber, trotz aller angewandten Mühe, begreiflicher Weisse nicht immer

erzwingen; die üble Laune jedoch muss bekämpfet, beseitigt werden; sie darf uns Lehrer nie in die Schule begleiten.

37.

Der Lehrer versage sich zuweilen auch den Genuss an und für sich erlaubter V gungen, die das gesellige Leben darbietet; er besuche z. B., wenn er Stadt wohnt, nicht zu häufig das Theater, nehme nicht zu oft an Bällen oder an grossen glönzenden Mahlzeiten Theil, um nur nicht in den Augen der Schüler siichtig zu erscheinen.

ergni-

in einer grösseren als vergnügungs-

38.

Das Verhältniss des Lehrers zu seinen Schülern soll ein väterliches sein. Daher weg mit dem entfremdenden Sie; nenne deine Schüler Du von der untersten bis zur obersten Classe. Eine humane Behandlung derselben lässt sich damit recht gut vereinigen. Gewiss wird sich auch der semüthliche, verständige, bescheidene Schüler freuen, von seinem Lehrer Du genannt zu werden; derjenige, welcher sich dadurch verletzt fühlt, welcher glaubt, dass ihm dadurch zu nahe getreten werde, verräth Mangel an Pietät oder einen lächerlichen Hochmuth, dem keineswegs Vorschub geleistet werden darf. Ohne Zweifel werden es auch alle vernünftigen, einsichtsvollen Eltern billigen, wenn der Lehrer sich bei der Anrede seiner Schüler des herzlichen Du bedient; die Missbilligung der Thoren hat die Schule nicht zu beachten. 39

Der Lehrer wird nur dann einen starken moralischen Einfluss auf seine Schüler äussern können, wenn er ihr Vertrauen besitzt. Um dieses zu gewinnen, muss er ihnen selbst Vertrauen zeigen. Mag er immerhin zuweilen einem Unwürdigen sein Vertrauen schenken, der davon Missbrauch macht; zehnmal besser, als wenn er durch unverdientes Misstrauen den würdigen Schüler zurückschrecket und niederbeugt.

40.

Der Lehrer bedarf der Liebe seiner Schüler, um als Erzieher wohlthätig auf sie einwirken zu können; aber er suche vor allen Dingen, um eine feste Basis für jene zu erhalten, die Achtung seiner Zöglinge zu gewinnen, die sie ihm nicht versagen wefden, sobald sie seine geistige Überlegenheit und sittliche Würde Lenen. Leig Festigheit Consequenz, Ruhe, Besonnenheit, Amtseifer und Thätigkeit, Gerechtleheit und Unpartei- lichkeit, mit einer weisen Strenge verbundene Humanität, und über kur⸗ oder 8 werden die Herzen, wenn auch nicht aller, doch gewiss der besseren Schüler für dic

schlagen.