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vergessen, dass fast kein anderer Beruf im Staate denen, die sich ihm gewidmet haben, es so sehr, als dem Gymnasiallehrer, zur Pflicht macht, stets fortzuschreiten auch in seinem theoretischen Wissen und sich wenigstens von den wichtigsten Erscheinungen im Gebiete der Philologie und Archäologie, der Geschichte„ Länder- und Völkerkunde, der Pädagogik u. s. w. Kenntniss zu verschaffen und die Früchte seiner Studien seiner Schule zu aepen, Dazu kommen nun noch die regelmässig wiederkehrenden und ausserordentlichen Lehrercon- ferenzen, die öffentlichen und Privat-Prüfungen, die Ausfertigung der Zeugnisse und vieles Andere, was keinen Namen hat. Wie viel Zeit bleibt da dem pflichttreuen Schulmanne zur Erholung übrig? Wahrlich so wenig, dass ohne das Benefiz der Ferien er sehr bald ein Opfer seiner Amtsthätigkeit werden misste!
23.
Je talentvoller der Lehrer ist, desto mehr mag er auf seiner Hut sein, dass er keine überspannten Forderungen an die Leistungen seiner Schüler mache, dass er insbesondere nicht ungerecht und unbillig gegen die Mittelköpfe unter ihnen werde.
24.
Für den Lehrer ist es freilich gut, wenn er ein Gedächtniss wie Leibnitz oder Niebuhr besitzt; aber seine Schüler werden es oft büssen müssen, wenn sie nicht im Stande sind, was der Meister einmal vortrug, treu zu bewahren.
25.
Es gibt nur wenige wirklich talentlose Kinder. Sprich daher dem Knaben nicht allen Verstand ab, der in deinen Unterrichtsgegenständen keinen zeigt; derselbe Knabe kann in anderer Beziehung verständig genug sein. Du bemerkst einzelne Untugenden an deinem Zögling: hüte dich, ihn darum schon für sittlich verdorben zu achten. Eine ange- fressene Schale birgt oft einen guten Kern. Sei überhaupt äusserst vorsichtig, wenn du ein allgemeines Urtheil über den sittlichen Character deines Zöglings aussprichst: aber sicherer gehst du alsdann auf jeden Fall, wenn du zu schonend, als wenn du zu hart urtheilst.
26.
Wie dem Leibe, so ist auch dem jugendlichen Geiste die einfachste Nahrung immer
die zuträglichste. 27.
Mag es auch paradox klingen, aber die Erfahrung bestätigt meine Behauptung: je ra- tioneller die Grammatik in den unteren Classen gelehrt wird, um so weniger wird sie von den Schülern mit dem Verstande aufgenommen, um so mehr wird sie plosse Gedächtnisssache. Dass die Regeln nicht mehr so mechanisch eingelernt(eingepaukt) werden, wie sonst der Fall war, ist erfreulich und erspriesslich; aber man fehlt jetzt sehr gewöhnlich auf der anderen Seite und bringt zu viel Philosophie in die ersten Elemente der
Umsonst quält sich der Schüler ab zu begreifen, was er begreifen soll,
Sprachkunde. 4*


