Aufsatz 
Proben physikalischer Übungsaufgaben / vom ... R. Kohlrausch
Entstehung
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steis mehr Pedanten werden. Ich wenigstens war im ersten Decennium meiner Schullauf- bahn grösserer Pedant, als im zweiten und dritten. 18. Das Studium der Psychologie ist dem Lehrer, der auch Erzieher sein will, gewiss sehr zu empfehlenz aber eigne Beobachtungen, selbst gemachte Erfahrungen gehen vor- cherweisheit. 19.

Nur zu oft werden pädagogische Missgriffe gemacht, weil der Pädagog sich nicht in die Jahre und in die Ideenwelt der Kinder zurückzuversetzen weiss.

20.

Es gibt beim Erziehungsgeschäft einen gewissen feinen Takt, der immer ohne vieles Überlegen das Richtige trifft. Nicht leicht wird Jemand diesen feinen Takt besitzen, ohne vielseitige Erfahrungen gemacht zu haben; allein mancher Schulmann feierte sein Amtsju- biläum und blieb dennoch ein pädagogischer Stümper.

21.

Besonders der Schulmann sei auf seiner Hut, dass er nicht vom Werkel- und Alltags-

leben nach und nach eingesponnen und erwürgt werde. 22.

Es finden sich noch immer viele, übrigens recht verständige und wohlunterrichtete Männer, die jedoch von der Thätigkeit eines Gymnasiallehrers höchst einseitige und ver- kehrte Vorstellungen haben, und in dieser Hinsicht oft wahrhaft lächerliche Ausserungen fallen lassen. Von dem Wahne befangen, der Lehrer habe, sobald sein Unterricht beendigt sei, nichts weiter für die Schule zu thun, sondern könne mit der noch übrigen Zeit frei nach seinem Belieben schalten, meinen sie wohl, dass er für die wenigen Arbeitsstunden unverhältnissmässig gut bezahlt werde, und nich leicht ein anderer Staatsdiener für gleich geringe Anstrengungen so reichlichen Lohn erhalte. Mögen sie, die häufig den unter der Last seiner Geschäfte fast erliegenden Schulmann beneiden, einem alten Praktiker glauben, dass dem gewissenhaften Lehrer die Arbeit für die Schule in der Regel mehr Zeit kostet, als die in der Schule; mögen sie bedenken, dass sich derselbe, zumalen wenn er in den oberen Classen eines Gymnasiums Unterricht ertheilt, sorgfültig auf jede Stunde vorbereiten muss, und wenn er seinen Lehrstoff auch noch so genau kennt und beherrscht, dennoch diese Vorbereitung nicht vernachlässigen darf, um jedesmal seinen Schülern nur das, was für sie gehört, und in der Form, wie es sich gehört, mitzutheilenz mögen sie erwägen, dass die eben so mühevollen als nothwendigen Correcturen der schriftlichen Schü- lerarbeiten einen grossen Theil seiner Zeit ausser der Schule in Anspruch nehmen, und nicht selten seinen Geist in dem Grade abspannen, dass er nach Vollendung derselben hän- fig stundenlang für jede anstrengende Arbeit unfähig geworden ist; mögen sie endlich nicht