25 — unzufriedenen Lehrer rücksichtslos hart behandelt, bei verkehrten Antworten wohl gar vor seinen Mitschillern lächerlich semacht: dann kann es nicht fehlen, dass er nach und nach allen Muth und alles Selbstvertrauen einbiisst und Bitterkeit sein Herz erfüllt.
13.
Eigennutz und Habsucht müssen einem jeden Staatsdiener, aber vorzugsweise dem Lehrer der Jugend fremd sein. Wenn ihn sein Amt ernährt, so verlasse er nicht um eines blossen pecuniären Vortheils willen die Anstalt, an der ihm ein segensreicher Wirkungskreis er- öffnet wurde. Der Vater bleibe beiseinen Kindern! Darum besonders lobe ich auch die Normalgehalte der Lehrer, da sie es möglich machen, ohne Versetzung an eine andere Schule verdienter Massen die äussere Lage derselben zu verbessern.
14.
Es ist im Allgemeinen nicht sut, wenn der Candidat der Philologie sogleich in dem Tempel der öffentlichen Schule als Lehrer auftritt, ohne vorher die Propylden des Hofmei- sterlebens durchwandert zu haben. Dieses bietet ihm die beste Gelegenheit, alles Studen- tenhafte, was ihm oft noch von der Universität her anklebt, abzustreifen und sich die einem Bildner der Jugend unumgänglich nöthige Welt- und Menschenkenntniss zu erwerben. Auch wird derjenige, welcher sich als Hauslehrer in gebildeten Familien für das Erzie- hungsgeschäft vorbereitet hat, wenn er dann späterhin in einen grösseren Wirkungskreis tritt, eine Unzahl von Missgriffen vermeiden, die derjenige gewöhnlich macht, der ohne praktische Vorübung öffentlicher Lehrer wird. Die in Kurhessen und in anderen Ländern zur Ausbildung der Auscultanten an Gymnasien getroffenen Einrichtungen sind gewiss sehr zweckmässig, würden aber meines Erachtens sicherer zum erstrebten Ziele führen, wenn der junge Philolog nach bestandener theoretischer Prüfung verpflichtet wäre, zuvor für die Dauer wenigstens eines Jahres Mitglied eines pädagogischen Seminars, das freilich mancher Universität dermalen noch abgehf, oder Privaterzieher, wo möglich im Auslande, zu werden.
15.
Junge Lehrer, wie junge Arate, legen gern zu grossen Werth auf die Theorie und expe-
rimentiren leicht zu viel; alte Lehrer fallen nicht selten in den entgegengesetzten Fehler.
16..
Der Arzt, welcher bei seinen Patienten zu oft mit der Arznei wechselt, verräth Un- sicherheit des Urtheils entweder über das Wesen der Krankheit, die er zu bekämpfen hat, oder über die Art, wie dieselbe zu behandeln sei. Es verräth wenig festen Takt, wenn der Lehrer zu oft mit den Methoden wechselt.
17.
Es ist ein gewöhnliches Vorurtheil, dass man glaubt, bejahrte Schulmänner missten 4


