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7. Mancher Lehrer würde weit besser sein, wenn er sich nicht schon für den besten hielte. 8.
Des Lehrers tögliches Gebet muss sein: Gott bewahre mich vor Selbstgenügsam- keit; aber gib mir auch Selbstvertrauen!— Letzteres ist eben so nöthig zu seinem
gesegneten Wirken, als erstere hinderlich. „
9.
Liebe zu seinem Berufe und Liebe zu seinen Schülern ist die Cardinaltugend eines Lehrers, in der alle übrigen gleichsam eingeschachtelt sind.
Beherzige darum vor Allem der Lehrer, was der Apostel Paulus sagt:„Wenn ich mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht: so wäre ich ein tönend Erz oder eine kliu- gende Schelle. Und wenn ich alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntniss, und hätte der Liebe nicht: so wäre ich nichts.““
10.—
Der fleissige brave Schüler nimmt mit Recht deine Liebe in grösseren Anspruch, als der unfleissige, schlechte: jener möge es erkennen, wie theuer er dir ist, dieser, wie tief er dich betrübt; aber hege eben so wenig parteiische Zuneigung für den ersteren, als eine leicht zu Ungerechtigkeit führende Abneigung gegen letzteren. Wenn sich der Sünder be- kehrt oder auch nur zu bekehren scheint, so würdige ihn deiner besonderen Aufmerksamkeit und liebevollen Pflege.
Missfällige Manieren eines Schülers dürfen dem Lehrer keine Antipathie gegen die Person desselben einflössen.
11.
Nichts ist einem Jugendlehrer zu seiner Wirksamkeit und seinem Lebensglück nöthiger, als Gleichmuth— Gleichmuth, wenn Faulheit oder Muthwillen der Schüler ihn kränken— wenn Unbefugte ihn kritisiren— wenn sein Verdienst verkannt wird und unbelohnt bleibt— wenn abgegangene Schüler die auf ihre Bildung verwandte Mühe mit Undank vergelten.
12.
Den jüngeren Lehrern insbesondere rufe ich zu: Schont die schwachen, aber doch flei- ssigen Schüler, habt Geduld mit ihnen, wenn sie nur langsam begreifen, nur langsam, fast unmerklich in ihren Kenntnissen fortschreiten, nehmt den guten Willen für die That und sucht sie bei jeder Gelegenheit zu ermuthigen, zu erheben. Wenn ein übrigens gut gear- teter, lerneifriger, aber mit geringen Fassungskräften ausgestatteter Rnabe sieht, dass er auch bei grösster Anstrengung dennoch hinter seinen talentvolleren, oft keineswegs treu- fleissigen Mitschülern zurückbleibt: so muss ihn ohnehin die Erkenntniss seiner Schwäche sehr niederschlagen und betrüben; wird er aber noch dazu von dem mit seinen Leistungen


