Aufsatz 
Proben physikalischer Übungsaufgaben / vom ... R. Kohlrausch
Entstehung
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der Lehrer, welcher die ihm durch das Gesetz und den gesammten Organismus der Schule vorgezejchneten Grenzen überschreitet, in dieselben zurückgewiesen werden, und der Un- fügsame die verdiente Strafe erleiden; aber man lasse über den Unwürdigen nicht die Wür- digeren durch eine allgemeine strengere Uberwachung mitleiden.

2.

Kein Staatsdiener dürfte wohl im Alter grössere

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Aufmunterung und grössere Schonung Verdienen, als der Lehrer der Jugend, denn keinem wird mit den fortschreitenden Jahren

und den abnehmenden Kräften die Last seines Amtes drückender, als dem Lehrer, keiner muss mehr Selbstverleugnung üben bei der Erfüllung seiner Berufspflichten, als dieser. Vermag er aber nicht mehr denselben zu genügen ist er stumpf gewordeu: dann würde eine zu weit getriebene Schonung der Schule Nachtheil bringen dann ist die Zeit erschie- nen, dass der altersschwache Lehrer in einen cehrenvollen Ruhestand versetzt werde.

3.

Falschen oder doch nur halbwahren, ja selbst böswilligen Urtheilen kann auch der trefflichste Lehrer nicht ganz entgehen; aber dagegen wappne er sich mit einem edlen Stolze, mit einem aes triplex circa Pectus, von dem alle Giftgeschosse, welche die Unwissenheit, der Unverstand, der Neid, die Anmassung auf ihn schleudern, ohnmächtig abprallen müs- sen. Indessen versäume er es dabei nie, die Körnchen Wahrheit, welche oft in solchen schiefen Urtheilen versteckt oder denselben zu Grunde liegen, durch strenge Selbstprüfung und durch Berathung mit aufrichtigen Freunden aus dem Schutt herauszufinden und zu sei- ner Vervollkommnung sorgfältig zu benutzen.

4. Auf die Urtheile, Ansichten und Wünsche der Eltern hat die Schule allerdings eine billige Rücksicht zu nehmen; aber durch zu vieles Rücksichtnehmen geräth sie leicht in einen Zustand des Hin- und Herschwankens und in die grösste Gefahr, ihre Selbstständig-

keit und Würde einzubüssen. 5.

Niemand urtheilt in der Regel schärfer und zugleich schiefer über den Werth der Schule, in der er seine frühere Bildung erhielt, als der geniale Mensch, indem er näm- lich verlangt, dass der Unterricht der Lehrer so beschaffen gewesen sei, als ob diese es nur mit Schülern seines Gleichen, mit Rnaben von ausgezeichneten Fähigkeiten, und nicht grösstentheils mit Mittelköpfen zu thun gehabt hätten.

6.

Auch bei manchen Schwächen und Mängeln, die ihm noch anhaften, wird der Lehrer, den eine edle Begeisterung für seinen hohen Beruf erfüllt, und der bei redlichem Streben und festem Willen auf Gott seine Zuversicht setzt, Grosses leisten können: ihm kommt die Kraft und der Segen von oben.