Pädagogische Aphorismen.
D. Mehrzahl dieser aphoristischen Bemerkungen könnte selbst ein candidus judex als trivial bezeichnen und hätte von meiner Seite weder Widerspruch noch Klage über zu scharfe Beurtheilung zu erwarten. Und dessenungeachtet erdreiste ich mich, dieselben dem Drucke zu übergeben? Ja, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie unabhängig von dem, was Andere Khnliches gesagt und geschrieben, lediglich aus eigener vieljähriger Erfahrung geschöpft sind, und, wie ich glaube, einige für manche Lehrer und Erzieher beherzigungs- werthe Wahrheiten enthalten. Wahrheiten aber, die, wenn auch von Wenigen bezweifelt, in der Praxis doch noch von Vielen unbeachtet geblieben sind, müssen sich immer von neuem geltend zu machen suchen, und je schlichter sie vorgetragen werden, um so eher finden sie vielleicht Gehör. Ubrigens bedarf es wohl kaum der ausdrücklichen Versicherung, dass, wenn Fehler und Missgriffe, die sich Lehrer, hauptsächlich in jüngeren Jahren, zu Schulden kommen lassen, von mir gerügt werden, überhaupt Niemand, am wenigsten aber irgend einer der treuen, wackeren Mitarbeiter an der Anstalt, welcher ich vorzustehen die
Ehre habe, persönlich verletzt werden soll. Brauns.
1.
Nur der freie Lehrer arbeitet freudig und segensvoll. Dienstinstructionen, die zu sehr ins Specielle gehen, Lehrpläne, die zu scharf die Schranken, innerhalb deren sich der Lehrende bei seinem Unterrichte bewegen soll, abgrenzen, eine zu ängstliche Controle von Seiten der vorgesetzten Behörde, haben gewiss nur selten einer Schule Heil gebracht. Der gute Lehrer fühlt sich durch Misstrauen, das man in seine Einsicht und Pflichttreue setzt, gekränkt, niedergedrückt und in seiner Wirksamkeit gelähmt; der schlechte wird dadurch nicht gebessert, sondern höchstens ein Kamaschenknecht. Beweise des Vertrauens seiner Oberen haben oft den Schlaffen gehoben, den weniger Gewissenhaften zu seiner Pflicht zu- rückgeführt. Bei der Freiheit, die ich für den Lehrer in Anspruch nehme, wird natürlich eine sorgfältige Beaufsichtigung seiner amtlichen Thätigkeit nicht ausgeschlossen; sie möge nur stets human sein und sich so selten als möglich fühlbar machen. Ohne Zweifel muss


