Aufsatz 
Proben physikalischer Übungsaufgaben / vom ... R. Kohlrausch
Entstehung
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spornt durch Ungenügsamkeitmit dem erlangten Wissen und durch den Reiz der eignen Forschung;:

einen kindlich unbefangenen, von Dünkel freien, der Natur ge- genüber demüthigen Sinn, gepaart dem menschlichen Wissen gegen-

Uber mit Schwerglauben und Zzweifelsucht, ja mit Misstrauen in

die eigne sinnliche Wahrnehmung.

Der mit diesen Erfordernissen Ausgestattete wird nun Ansprüche machen können, für einen tüchtigen Naturforscher, hier namentlich Physiker, zu gelten, wenn er neben der Fähigkeit, zu sehen, die Kunst erlangt hat, zu experimentiren, das heisst, die Natur so zu befragen, dass sie zu unzweideutigen Antworten genöthigt wird; und wenn er, gewissermassen als sechsten Sinn, sich physikali- sches Gefühl, oder wenn das klarer ist, physikalischen Instinkt er- worben hat, der ihn, verbunden mit tüchtigen Kenntnissen, zu einer raschen und richtigen Kritik befüähigt, ihm die Anfangs- und Aus- ganspunkte neuer Untersuchungen zeigt und die eigentliche Refle- xion, namentlich im Anfange, auf den richtigen Weg leitet. Endlich soll der tüchtige Physiker(wo möglich) ein tüchtiger Ma⸗- thematiker sein.

Das Streben nach Methode mufs wesentlich die genannten Erfordernisse im Auge be- halten, die, wenn sie auch in ihrem ganzen Umfange nur bei dem eigentlichen Naturfor- scher von Fach in Anspruch zu nehmen sind, doch in gewissem Grade bei einem Jeden vorhanden sein miissen, welcher in den Geist und das Wesen der Naturwissenschaft einge- drungen sein will. Welche Mittel am geeignetsten zur Erlangung der einzelnen Punkte fuhren und in welchem Verhältnisse diese zu einander zu erstreben sind, darüber wird man wohl erst bei fortgesetztem Nachdenken und längerer Erfahrung entscheiden können. Wenn wir bedenken, dass man noch jetzt an der Methode des lateinischen Unterrichtes ar- peitet und zu arbeiten dringend Noth hat, so werden wir uns nicht mit der Hoffnung schmeicheln, dass die Physik, welche es knum erst dahin gebracht hat, sich überall tüchtige Lehrer zu erziehen, schon so bald damit zu Stande kommen werde.

So viel kann man, wenn man mir hier eine kleine Abschweifung erlauben will, jelat wohl schon behaupten, dass es nicht gut thue, mit dem Anfünger die Physik vor- zugsweise mathematisch zu betreiben, und dass diese Behauptung auf die Gymnasien auszu- dehnen sei, so lange an diesen nicht durchschnittlich mehr Zeit auf das Fach verwendet werden kann.

Die Stellung der Mathematik zur Physik scheint mir im Wesentlichen darin zu bestehen, dass die Mathematik einestheils die Quantität bei den Erscheinungen zu bestimmen sucht, anderntheils zum Prüfstein der Richtigkeit von Hypothesen und zur Affindung neuer physi-