Mond nicht vorliegen konnte, der Mond auch schon untergegangen war, demnach über westlichern Gegenden attrahirend wirkte—, lediglich daraufhin, weil er sich an jenem Tage im Perigaeum befand. Da nun aber, wie wir früher erwühnten, durchschnittlich jeden Tag ein Erdbeben stattfindet, auch von einer modificirten Flutherscheinung an unsern Küsten nichts bemerkt worden ist, so müssen wir diese kosmischen Ursachen verlassen und uns tellurischen Veranlussungen zuwenden.
Eine Verknüpfung der vulkanischen Erscheinungen mit den Erdbeben war wissen- schaftliches Dogma, bis der gründliche Kenner der Anden in Südamerika, Boussingault,*) schrieb: La fréquence des mouvemens dans le sol des Andes et le peu de coincidence que l'on remarque entre ces mouvemens et les éruptions volcaniques doivent nécessairement faire présumer qu'ils sont dans le plus grand nombre de cas occasionnés par une cause indé- pendante des volcans.
Dieser von den Vulkanen unabhängigen Ursache der Erdbeben ist seit jener Zeit fleissig nachgespürt worden, und haben mit den Waffen, die Gustav Bischof in seiner chemischen Geologie geschmiedet hat, Volger und Mohr neue Bahnen gebrochen.
Wenn uns Gustav Bischof beweist, dass der Granit dieses plutonische Gestein uν εεonj in seinem jetzigen Zustand nicht erstarrt sein kann, weil Quarz zuerst, dann Glimmer und zuletzt Feldspath erstarrt, während die Morphologie des Gesteins die umge- kehrte Reihenfolge der Entstehung dieser drei Mineralien nothwendig macht, so sind wir überzeugt, an dem plutonischen Ursprung des Granits festhaltend, dass hier eine Metamor- phose vorliegt, die sich nur durch die chemische Wirkung des Wassers, welches die Poren aller Gesteine durchdringt, erklären lässt. Wirkt aber in den dichtesten Gesteinen die substituirende Kraft des Wassers, welcher wir die Entstehung auch der Pseudomorphosen und die Wanderung der Gänge verdanken, so ist analog den convexen Flächenbildungen an Pseudomorphosen ein allmähliches Anschwellen ganzer Gebirgsmassen begreiflich, während andere einem langsamen Auslaugungsprocess unterliegen. Mehr diese allmählichen Volumveränderungen scheinen säculare Hebungen und Senkungen, oder, wo solches die Geotektonik verbietet, Spannungen und ruckweise Aenderungen des Zusammenhangs zu ver- anlassen, als die mechanisch zerstörende Gewalt des Wassers, die zwar, auch Höhlen bildend, den Zusammensturz von Massen vorbereitet, dessen erschütternde Wirkung bis zur Ober- fläche der Erde hinauf unausbleiblich ist, aber ein wenig ausgedehntes Entstehungslocal verlangt. Die Erdbeben, welche einzig und allein auf der Lösung einer Spannung beruhen, werden sich von den Einsturzerdbeben durch geringe Erkennbarkeit eines Stosscentrums unterscheiden und dürfte unser Erdbeben vom 6. März zu den ersteren zu zählen sein.
Die Anstrengungen, welche gemacht zu werden pflegen, um ein Stoss- oder Schütterungscentrum bei solchen Erdbeben aufzufinden, bei denen keine auffallende Diffe- renzirung der Erscheinungen an den meisten Beobachtungsorten stattgefunden hat, beruhen
*) Boussingault, Annales de Chimie ot de Physique T. LVIII. 1835 pa g. 83.


