Aufsatz 
Louis Bourdaloue, Prediger am Hofe Ludwigs XIV
Entstehung
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prachtliebende Frauen sich bewegen, der ist von dieser Atmosphäre gefesselt, berauscht und hält nur das Leben in Versailles für ein würdiges«. Das Treiben am Hofe kostete viel und die Mehrzahl der Adeligen war verschuldet. Dem Edelmanne behagte das Leben auf seinem Schlosse und unter seinen Bauern nicht mehr, er verliert seine patriarchalische Stellung unter dem Volke und damit auch die Anhänglichkeit und Liebe desselben; er will jetzt nur so viel Geld als möglich aus seinem Gute ziehen, um am Hofe mit Glan⸗z aufzutreten und seine Erpressungen machen seine Untergebenen arm und ihn verhaßt. ¹) So ist es auch leicht zu erklären, warum die Revolution später so feindlich gegen den Adel auftrat. Gegen diesen Hof, der erfüllt war mit Eitelkeit, Täuschung, Geldgier und Sittenlosigkeit, wendet sich Bourdaloue nicht minder als gegen den König. Er zeichnet den Hof des Herodes und schildert dabei genau den Hof von Versailles. Er zeigt, wie die Menschen die ihnen erwiesenen Dienste lohnen und wie Gott sie lohnt. Welche Täuschung, wenn man für Gott nichts tut und nur den Menschen dient! Gottes Gesetz übertritt man, aber vor den Kreaturen liegt man im Staube. Während man die Mißgunst des Königs fürchtet, fürchtet man das furchtbare Gericht Gottes nicht.

In der zweiten Predigt auf das Leiden Christi(Mystères I.) lesen wir: Rendez à César ce qui est du à César, mais souvenez-vous de la belle maxime de St. Jérome, que tous les interèets de César sont bien les interéèts de Dieu, mais que les interèts de Dieu ne sont pas toujours ceux de César. (Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, aber errinnert Euch an den schönen Grundsatz des hl. Hieronymus, daß wohl alle Interessen des Kaisers die Interessen Gottes sind, aber daß die Interessen Gottes nicht immer die des Kaisers sind). In der ersten Passionspredigt(Mystdères I.) sagt Bourdaloue: Tretet ein am Hofe und erscheinet wie Christus, nur bekleidet mit dem Kleide der Unschuld; gehet dort wie Christus nur auf dem Wege der Einfalt; sprechet nur wie Christus um der Wahrheit Zeugnis zu geben und ihr werdet sehen, ob ihr anders behandelt werdet als Christus. ²) Um dort gut aufgenommen zu werden, ist Pomp und Glanz notwendig; um sich dort zu halten, ist Verstellung und Intrigue notwendig; um dort ein geneigtes Ohr zu finden, ist Gefälligkeit und Schmeichelei notwendig. Doch dies alles steht im Wiederspruch mit Jesus Christus. Und da der Hof das Reich des Fürsten der Welt ist, ist es nicht überraschend, daß das Reich Jesu Christi sich dort nicht festsetzen kann. Aber wehe Euch, Fürsten der Erde, wehe Euch, Weltleute, die ihr diese menschgewordene Weisheit verachtet, denn sie wird Euch dafür auch verachten. Vae qui spernis, nonne et ipse sperneris ³)? In der Predigt auf das Weihnachtsfest) fordert Bourdaloue den

önig auf, den Hof von den verderblichen Elementen zu säubern:»Ich werde es dennoch sagen und warum sollte ich es nicht sagen, da es sich dabei um die Interessen Gottes handelt und da ich vor einem Könige spreche, dem die Interessen Gottes so teuer sind? Von diesen Ungeheuern,) welche Eure Majestät verfolgen, und gegen die sie bereis in so glücklicher Weise ihre königliche Autorität geltend gemacht hat, sind noch einige übrig, die Ihren Eifer brauchen und zwar Ihren ganzen Eifer. Die Schrift verbietet mir sie zu nennen, aber es genügt, daß Eure Majestät sie kennt und verabscheut...... sobald Majestät es wollen, werden Jse Laster, die

¹) Weiß. Weltgeschichte, X. 458. ) Von den Henkersknechten.

³) Isaias 33, 1.

4) Mystères 1. Predigt.

) Unsittliche Höflinge.