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Wahrheit. Die Frau von Sévigné schreibt in einem Briefi) vom 29. März 1680: Bourdaloue frappe toujours comme un sourd, disant des vérités à bride abattue, parlant contre l'adultère à tort et à travers: sauve qui peut, il va toujours son chemin.(B. trifft immer wie ein Tauber, indem er ohne zu überlegen Wahrheiten sagt, indem er blindlings gegen den Ehebruch spricht; rette sich, wer kann, er geht immer seinen Weg.) Und Marmontel sagt: Nul prédicateur n'a parlé aux cours avec autant de fermeté et de convenance que le P. Bourdaloue.(Kein Prediger hat am Hofe so energisch und so angemessen gesprochen wie der P. Bourdaloue.) Obwohl er während der Zeit, wo er Hofprediger war, öfters dieselben Predigten wiederholte, soll der König gesagt haben, er höre die Wiederholungen des Bourdaloue lieber als die neuen Predigten anderer Kanzelredner. Auch über den apostolischen Freimut, mit dem Bourdaloue dem König oft bittere Wahrheiten ins Gesicht sagte, war dieser nicht aufgebracht; als einst nach einer Predigt über den Rückfall in die Sünde ²) die Höflinge, betroffen ob der Kühnheit der Worte, Ludwig den XIV. aufforderten gegen den Prediger einzuschreiten, folgte er ihnen nicht, sondern sprach sich öffentlich sehr lobend über die Predigt aus.
In das Jahr 1680 verlegt man auch eine Begebenheit, die wohl in das Reich der Anekdoten zu verweisen ist: Einst richtete Bourdaloue in einer Predigt über den Ehebruch scharfe Worte an den König und rief ihm, wie einst der Prophet Nathan dem ehebrecherischen König David(II. Buch der Könige 7. Cap. 12. Vers.) zu: Tu es ille vir! Ludwig aber sagte nach der Predigt zu seiner Umgebung: Er hat seine Pflicht getan, tun wir die unsere. Dieses»Tu es ille vir« wurde in keiner Predigt jener Epoche gebraucht, weder von Bourdaloue noch von einem anderen Prediger. ³) Doch bekam der
König sonst oft genug bittere Wahrheiten zu hören. Nur noch ein Beispiel. In
der ersten Predigt auf das Fest Allerheiligen heißt es: Votre majesté est trop éclairée pour croire, que ce qui fait la perfection d'un roi selon le monde, suffise pour faire le bonheur et la solide félicité d'un roi chrétien. Régner dans le ciel, sans avoir jamais régné sur la terre, c'est le sort d'un million des saints, et cela suffit pour éêtre heureux. Régner sur la terre, pour ne jamais régner dans le ciel, c'est le sort d'un million des princes, mais des princes réprouvés et par conséquant malheureux.(Euere Majestät ist zu erleuchtet, als daß sie glauben würde, daß das, was die Vollkommenheit eines Königs im Sinne der Welt ausmacht, genügt, um das Glück und die dauernde Glückseligkeit eines christlichen Königs auszumachen. Zu herrschen im Himmel ohne jemals auf Erden geherrscht zu haben, das ist das Los einer Unzahl von Heiligen und das genügt um glücklich zu sein. Zu herrschen auf Erden ohne jemals im Himmel zu herrschen, das ist das Los einer Unzahl von Fürsten, aber von Fürsten, die verworfen und infolgedessen unglücklich sind.)
Durch die Religions- und Parteikriege wurde ein großer Teil von Frankreich verwüstet und viele Adelige verarmten. Diese suchten nun den Hof auf, um sich dort Ehren und Einkünfte zu erwerben. Viele waren unwissend, roh, stolz, ehrgeizig und genußsüchtig, bereit alles zu opfern für die Ehre, dem Hofe anzugehõren. 4)»Wer einmal an diesem Hofe gelebt«, sagt der Herzog von Saint-Simon, ⁵) wo so viel Glanz entfaltet wird, wo so viele geistreiche, tapfere und ehrgeizige Männer, wo so viele schöne und
¹) Lettres tome VI. p. 329, 339.
¹) Bei Bretonneau auf den 18. Sonntag nach Pfingsten angesetzt. ²) Griselle, Bourdaloue I., 479 ff.
¹) Lettres de Mad. de Sévigné, tome VII., pag. 33.
⁵) Saint-Simon. XIII. p. 8— 15, 191— 195.


