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haben wir eine Rede von Bourdaloue erhalten, welche dieser am 7. September bei der Einkleidung der Marie Françoise de Lorraine, Tochter des Herzogs von Elbeuf, bei den Salesianerinnen in St. Germain hielt. Brotonneau hat sie in seine offizielle Ausgabe nicht aufgenommen, sie erschien erst 1900 zu Lille unter dem Titel: Un discours inédit de Bourdaloue.
Als Bourdaloue im Jahre 1679 in der Fastenzeit in der Kirche St. Jaques de la Boucherie predigte, wurde durch die Menge der Equipagen, in denen die vornehme Welt zur Kirche fuhr, der ganze Verkehr in jenem Stadtteil unterbrochen. Die Frau von Sévigné schreibt: ¹) Le Père Bourdaloue tonne(h) à St. Jaques de Boucherie. II falloit, qu' il prechat dans un lieu plus accessible; la presse et les carosses y font une telle confusion, que le commerce de tout ce quartier-là est interrompu.(Der P. B. donnert in St. Jakob. Es wäre notwendig, daß er an einem zugänglicheren Orte predigt; das Ge- dränge und die Wagen verursachen dort eine solche Verwirrung, daß der Verkehr in dem ganzen Viertel dort unterbrochen ist.)
Beald nachher wurde Bourdaloue mittels Dekret zum Hofprediger mit 1200 livres Jahresgehalt ernannt, fast gleichzeitig mit dem Oratorianer Mascaron, der schon seit 1676 zugleich mit Le Boux am Hofe tätig gewesen war. Beide sollten abwechselnd im Advent und in der Faste am Hofe predigen. Als Bourdaloue mit der station du caréme 1680 sein Amt antrat, befand sich der König Ludwig XIV. mitten in jener Periode seines Lebens, in welcher er sich den Ausschweifungen hingab. Der neue Hofprediger machte mit aller Entschiedenheit die Forderungen der katholischen Moral geltend, wenn er auch dem König schmeichelte und seine Größe und Macht hervorhob. Eine starke Schmeichelei ist es z. B. wenn Ludwig XIV. in der Predigt auf das Fest Ludwig des Heiligen diesem an die Seite gestellt und héritier de son zèle, imitateur de ses vertus, la vive image de ses héroiques et royales qualités(Erbe seines Eifers, Nachahmer seiner Tugenden, das lebendige Abbild seiner heroischen und königlichen Eigenschaften) genannt wird. Doch wird an derselben Stelle der hl. Ludwig auch aufgefordert, die Verderbtheit der Sitten zu bessern und die Argernisse zu beseitigen; überhaupt bestrebt sich Bourdaloue, den Schmeicheleien, die er dem Könige sagt, eine solche Wendung zu geben, daß sie in eine heilsame Ermahnung ausklingen.
In einer Predigt für das Fest Mariä Reinigung(es ist die dritte bei Bretonneau) handelt er von der wesentlichen, universalen und ewigen Oberherrschaft Gottes über die Menschen und sagt: Cette morale, Sire, d'un Dieu souverain maitre, est pour les rois aussi bien que pour les autres hommes; et je le dis avec d'autant plus d'assurance et plus de consolation en présence de Votre Majesté, qu' entre tous les autres monarques, il n'en est point qui rende au souverain Mattre du monde de plus éclatants témoignages d'une soumission vraiment chrétienne. Nons vous voyons, Sire, au comble de la grandeur humaine; tout ce qui peut relever un roi et lui donner dans le monde un grand nom, le ciel l'a réuni dans votre personne sacrée: l'éclat de la majesté, l'étendue de la puissance, la sagesse des conseils, le succès des entreprises, la gloire des armes.... Mais, Sire, dans ce haut degré d'élevation, ce qu' il y a de plus digne de nos admirations et de plus grand, c'est que Votre Majesté ne se laisse point éblouir par sa grandeur même; c'est que dans la splendeur de sa puissance elle n'oublie point qu' il y a audessus de toutes 1s puissances mortelles un Tout-puissant.(Diese Lehre, Majestät, von Gott als höchstem Herrn ist für die Könige gerade so gut
¹) Lettres, tome V. p. 522.


