Aufsatz 
Louis Bourdaloue, Prediger am Hofe Ludwigs XIV
Entstehung
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diesjährige station du caréême mit einer Predigt, welcher die Majestäten und

der Dauphin beiwohnten. Darauf hielt der Kardinal von Bouillon die feierliche

Vesper. Die Annalen des Jesuitenordens verzeichnen den ungeheuren Erfolg

Bourdaloues mit folgenden Worten: Incredibile prope dictu est, quo plausu

Per quadragesimale tempus in aula regia exceptus fuerit P. Ludovicus ourdaloue.

Im folgenden Jahre hielt Bourdaloue die Fastenpredigten in der Pfarrkirche St. Eustache und da das Palais Royal, in welchem der Bruder des Königs wohnte, im Gebiete dieser Pfarrei gelegen war, fand sich dieser mit seiner Gemahlin öfters zu den Predigten ein. Aus diesem Jahre haben wir eine Predigt erhalten, die sich mit Sicherheit datieren läßt, nämlich die vom 2. Februar 1673 sur l'obéissance à la loi(über den Gehorsam gegen das Gesetz). Wo Bourdaloue im Advent predigte, wissen wir nicht. Als er in der nächsten Faste(1674) teils in St. Germain-en-Laye, teils im Louvre und Versailles vor dem Hofe predigte, brandmarkte er ohne Rücksicht das skandalöse Leben am Hofe und die Sittenlosigkeit, in welcher der König Ludwig XIV. allen mit schlechtem Beispiel voranging.

Die Frauen, von denen er sich beherrschen ließ, übten einen maßgebenden Einfluß am Hofe aus, ¹) zuerst das zur Herzogin erhobene Fräulein von Vallière(bis 1674), dann die Frau von Montespan(1674 1680), zuletzt das Fräulein von Fontanges, bis die Frau von Maintenon endlich den König auf bessere Wege brachte. Hören wir, was die Frau von Sévigné über die Predigt Bourdaloues vom 2. Februar 1674 schreibt: ²)»Le P. Bourdaloue fit un sermon, qui transporta tout le monde; il était d'une force, qu' il faisait trembler les courtisans et jamais un prédicateur évangelique n'a prêché si hautement et si généreusement les verités chrétiennes.... certains endroits furent

oussés comme les aurait poussés l'apôtre St. Paul.«(Der Pater B. hat eine redigt gehalten, die alle Leute hingerissen hat. Es lag eine Kraft darin, die die Höflinge zittern machte und nie hat ein apostolischer Prediger die christlichen Wahrheiten so kühn und hochherzig verkündet...... einige Stellen waren mit solcher Betonung vorgetragen, wie es der hl. Apostel Paulus getan hätte.) Und die Frau von Maintenon erwähnt in einem Briefé ³) vom 3. März:»Le P. Bourdaloue fait ici des merveilles. Notre durchesse) et moi nous le voyons tous les jours.«(Der P. Bourdaloue wirkt hier Wunder, unsere Herzogin4) und ich besuchen ihn jeden Tag.) Das Fräulein von Vallière schreibt:)»Père Bourdaloue nous a prêché une Passion merveilleuse et propre à toucher les plus endurcis; il me platt fort et il est tellement Pendtr des vérités qu' il preche, que cela fait plaisir.«(P. Bourdaloues redigten über das Leiden Christi waren wunderbar und geeienet die Verstocktesten zu rühren. Er gefällt mir sehr und er ist so durchdrungen von den Wahrheiten, die er predigt, daß es Vergnügen bereitet.) Die Herzogin von Vallière dachte auch daran, Bourdaloue einzuladen, daß er die Ansprache bei ihrem Eintritt ins Kloster halte, den sie damals bereits vorhatte. Bald nach Ostern trat sie, um Ruhe für ihre Seele zu finden, in den strengen Orden der Karmeliterinnen ein und bekam bei ihrer Einkleidung am 19. Juni den Namen»Schwester Louise von der Erbarmung»; sechs und dreißig Jahre lebte sie im Kloster unter den strengsten Bußübungen und als ihr der Tod ihres Sohnes, des Grafen von Vermandois, gemeldet wurde, sagte sie:»Soll

¹) Weiß, Weltgeschichte, X., 455 ff.

¹) Lettres, tome III. p. 401.

²) Lavallée, Correspondance générale de Madame de Maintenon t. I. p. 196. ¹) Die Herzogin von Richelieu.

) Lair, Louise de la Vallière p. 363.