Aufsatz 
Louis Bourdaloue, Prediger am Hofe Ludwigs XIV
Entstehung
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schrecklichen Ton verurteilt. Und ich will hier offen gestehen, daß bis heute niemand besser am Hof gepredigt hat.) Die Annalen des Jesuitenordens berichten über dieses erste Auftreten Bourdaloues am Hofe: Dixit tanta eloquentiae divinae vi, maxime eius, quae ad mores corrigendos valet, tam inusitato plausu etiam principum, et tam publica ipsius approbatione regis ut incredibile et sibi et societati nomen fecerit ac sacrae eloquentiae vulgo princeps dictus et habitus fuerit.

Der Ordensgeneral der Jesuiten in Rom, P. Oliva, wünschte Bourdaloue in einem eigenen Schreiben vom 24. Feber 1671 Glück zu seinem großen Erfolge und gab namentlich darüber seiner Freude Ausdruck, daß seine Frömmigkeit und Demut durch den großen Beifall, der ihm zuteil geworden, nicht gelitten hatte.

Der Erzbischof von Paris, Harlay de Champvallon, und das Domkapitel wurden durch diese großen Erfolge ebenfalls auf Bourdaloue aufmerksam und luden ihn ein, in der Faste 1671 in der Kathedrale Notre Dame die Fastenpredigten zu halten. Er begann am Aschermittwoch 11. Februar mit der Predigt sur la pensée de la mort(über den Gedanken an den Tod), die Bretonneau in seiner Ausgabe für diesen Tag ansetzt. Die Madame de Sévigné besuchte die Vorträge und schildert in ihren Briefen, welchen Eindruck dieselben auf sie machten. Sie schreibt: Le père Bourdaloue prêche; bon Dieu! tout est audessous des louauges, qu' il mérite. Un demi-quart des merveilles, qu' il dit, devroit faire une sainte. ¹)(Der Pater Bourdaloue predigt; du guter Gott, es ist unmöglich ihn so zu loben, wie er es verdient. Ein kleiner Bruchteil seiner wundervollen Vorträge müßte aus einem eine Heilige machen.)

Am Charfreitag war es ihr unmöglich in die Kirche Notre Dame hineinzukommen, denn»les laquais y étaient dès mercredi et la presse était à mourir.« ²)(Die Lakaien waren schon seit Mittwoch dort, um die Plätze für ihre Herrschaften besetzt zu halten, und das Gedränge war lebensgefährlich.) Sie ließ sich aber von ihren Bekannten Bericht erstatten und schreibt weiter:

»Ah, Bourdaloue fit, à ce qu' on m'a dit, une Passion plus parfaite que tout ce du' on peut imaginer; e' était celle de l'année passée, qu' il avait rajustée, afin qu' elle fat inimitable.«(Ach, Bourdaloue hat nach dem, was man mir gesagt hat, eine Predigt über das Leiden Christi gehalten, die vollkommener ist, als alles, was die Phantasie ersinnen kann; es war die vom vorigen Jahr, die er umgearbeitet hatte, damit sie unnachahmlich sei.) Hier haben wir zugleich ein bestimmtes Zeugnis gleich vom Beginn der Predigerlaufbahn Bourdaloues, daß er öfters dieselben Predigten wiederholte. Unter den zahlreichen Zuhörern befand sich damals auch der König Kasimir von Polen (regierte 1648 1668) und vielleicht entstand schon um jene Zeit das geflügelte Wort: Bourdaloue predicateur des rois et roi des prédicateurs(B. Prediger der Könige und König der Prediger).

Im Adyvent 1671 predigte Bourdaloue in der Pfarrkirche Saint-Jean- en-Grève, in der Faste des folgenden Jahres wieder am Hofe in St. Germain- en-Laye und Versailles mit gleich großem Erfolg wie das erstemal. In einer Predigt ereignete sich ein Zwischenfall, indem der Marschall von Gramont ganz laut ausrief: Mordieu, il a raison!(Potztausend, er hat Recht!) Die Herzogin von Orleans begann zu lachen und der ganze Vortrag wurde gestört.²) Am Ostersonntag 17. April nachmittags schloß Bourdaloue die

¹) Tome II. p. 102. ²) Tome II. p. 130. ) Lettres de Madame de Sévigné. Tome III. p. 18.