Bourdaloue als Prediger in Paris und am Hofe.
Im Jahre 1669 wurde Bourdaloue nach Paris berufen als Prediger in der Kirche St. Louis beim Profeßhause der Jesuiten in der rue St. Antoine. Der Orden besaß in Paris außer dem Profeßhaus St. Louis noch eine zweite Niederlassung in St. Germain und in dieser wünschte Bourdaloue Aufenthalt zu nehmen, weil er dort Landluft hatte, die seiner Gesundheit zuträglich war, während ein plötzlicher Ubergang vom Leben am Lande zum Leben in der Stadt böse Folgen hätte haben können. Nachdem er Ende Oktober in Paris angekommen war, begann er seine Laufbahn sofort am 1. November, indem er die Adventspredigten in der Kirche seines Ordens in der rue St. Antoine hielt. Für die Prediger waren und sind jene zwei Abschnitte des Kirchenjahres am wichtigsten, in welchen die katholische Kirche ihre Kinder ganz besonders zur Einkehr in sich selbst und zur Buße ermahnt, der Advent und die Fastenzeit. Man nannte die erstere: la station de l'Avent, die letztere: la station du caréme. Die Station de l'Avent begann schon mit dem Feste Allerheiligen(1. November) und dauerte bis zum Weihnachtsfest; die station du caréme begann mit dem Feste Mariä Reinigung (2. Februar) und dauerte bis Ostern. Gewöhnlich war es so eingerichtet, daß ein und derselbe Prediger alle Predigten hielt, die in eine»station« ffelen. Bourdaloue hatte gleich bei seinen ersten Predigten im Advent einen ungeheuren Erfolg. Zahlreiche Bischöfe und hohe Würdenträger fanden sich bei seinen Predigten ein und die Kirche St. Louis war so voll, daß die Patres Jesuiten selber keinen Platz in derselben fanden. Der Ruf von dem ausgezeichneten Prediger war bis nach Bourges gedrungen und Bourdaloues Vater reiste nach Paris, um seinen Sohn predigen zu hören. Er starb aber auf der Reise. Die Fastenpredigten 1670(hielt Bourdaloue ebenfalls in der Kirche St. Louis und sah am 4. Fastensonntag und am Ostermontag den Bruder des Königs unter seinen Zuhörern. Man hatte eben auch am Hofe schon von dem vortrefflichen Kanzelredner gehört und lud ihn ein, im Advent. vor dem Hofe zu predigen. Der Finanzminister Colbert wurde angewiesen 1500 livres für ihn flüssig zu machen. Bourdaloue eröffnete seine erste „station« am Hofe am 1. November 1670 nachmittag im Schlosse zu St. Germain-en-Laye und erntete allgemeinen Beifall. i) An den vier Advent- sonntagen und am Weihnachtsfest predigte er vor dem Hofe in den Tuilerien. Am 14. Dezember hielt er eine Predigt sur l'ambition. ²) Da zwei Predigten über diesen Gegenstand erhalten sind und alle näheren Angaben fehlen, läßt, sich nicht bestimmen, welche von den beiden damals gehalten wurde.
Die Gazette de Robinet brachte folgende schmeichelhafte Verse:
Notre coeur pendant les Avents
Ecoute les discours scavants
Et pleins de morale qu' on loue
Du rare orateur Bourdaloue,
Qui fronde le péché dit-on
D'un tonnant et terrible ton......
Et qui' ici franchement j' avoue,
Que jamais jusques à ce jour
On ne prescha mieux à la cour. (Unser Herz vernimmt während des Adventes die gelehrten und an mora- lischen Anwendungen reichen Vortäge, die man lobt, von dem seltenen Redner Bourdaloue, der die Sünde, wie man sagt, in einem donnernden und
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¹) Gazette de France, 8. November 1670. ²) Mercure galant, 1686, Avril p. 113.


