Aufsatz 
Louis Bourdaloue, Prediger am Hofe Ludwigs XIV
Entstehung
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reiste ihm nach und brachte ihn wieder nach Bourges zurück. Aber nach drei Monaten hatte er sich überzeugt, daß der Beruf seines Sohnes echt und fest ist; auch mochte er keine geringe Genugtuung empfinden in dem Bewußtsein, daß sein Sohn jenen Beruf ergreift, den er einst selbst in sich gefühlt hatte, ohne ihm gefolgt zu sein. Er führte nun seinen Sohn selbst nach Paris ins Noviziat der Jesuiten, wo er, gestärkt in seinem Berufe am 10. November 1648 definitiv eintrat. Schon im ersten Probejahre zeigte der junge Ordensmann ein gesundes Urteil, großmütigen Opfersinn, lebendigen Glauben und solide Frömmigkeit. Im Herbst 1650 verließ er das Noviziat und begab sich in das Kolleg zu Amiens, wo er vier Jahre in den Grammatikal- und Humanitätsklassen unterrichtete, hierauf nach Orleans, um seine Lehrtätigkeit fortzusetzen. Dann nahm er dem Studiengang des Jesuitenordens gemäß seine Studien wieder auf und hörte im Kolleg zu Clermont ein Jahr Philosophie und vier Jahre Theologie. Als Scholastiker(o heißen die studierenden Kleriker des Jesuitenordens) hatte sich Bourdaloue mit dem größten Eifer und der reinsten Absicht den Studien hingegeben und nun erbielt er im Jahre 1660 die Priesterweihe. Um ihm Gelegenheit zu weiterer Ausbildung zu geben, sandten ihn die Ordensoberen als Professor der Rhetorik nach Rouen; im folgenden Jahre unterrichtete er in der Philosophie und zuletzt in der Moraltheologie; zugleich war er Beichtvater der marianischen Herrenkongregation und begann auch als Prediger aufzutreten. Mehrere seiner Predigten gefielen derart, daß die Oberen ihn nur für das Predigtamt zu verwenden beschlossen. Das Urteil, das die Vorgesetzten damals über Bourdaloue abgaben, lautete: Judicium firmum, ingenium sublime, prudentia bona, profectus in litteris magnus in omnibus. Gegen Ende des Jahres 1664 wurde Bourdaloue in das Kolleg zu Nancy geschickt, damit er dort das bei den Jesuiten vorgeschriebene dritte Probejahr ablege. Während desselben mußte er wöchentlich einmal die Kinder im Katechismus unterrichten und in der Fastenzeit(1665) im Dorfe Malzéville predigen. Er tat es mit solchem Eifer und mit solcher Kraft, daß sich die Bewohner eigens beim P. Rektor des Nancyer Kollegs bedankten. In der Kirche zu Malzéville ist in der Nähe der Kanzel eine Inschrift angebracht, welche an die Tätigkeit des später so berühmten Predigers erinnert. Leider ist sie nach Inhalt und Form fehlerhaft und lautet: L'illustre Bourdaloue à() Frêché en cette chaire 'Avent de 1655 et le caréème de 1656. (Der berühmte Bourdaloue hat auf dieser Kanzel im Advent 1655 und in der Faste 1656 gepredigt). Daß er im Advent gepredigt hat, ist unrichtig; statt 1656 soll es heißen 1665.

Von Nancy ging Bourdaloue als Studienpräfekt nach Eu, wo er mit der Herzogin von Montpensier bekannt wurde, die ihm großes Vertrauen schenkte und ihn später auch, als es mit ihr zum Sterben kam, rufen ließ, damit er ihr beistehe. In Eu legte er auch am 2. Februar¹) 1666 die feierlichen Ordensgelübde ab. Dann finden wir ihn in Amiens und im folgenden Jahr in Rennes als Prediger an der Kathedrale und Beichtvater der marianischen Studentenkongregation. 1668 predigt Bourdaloue in Rouen, welches damals von der Pest heimgesucht war. Er nahm sich der Pestkranken an und leistete ihnen Beistand im Tode. Aus diesem Jahr haben wir eine Predigt erhalten, nämlich die Lobrede auf den Heiligen Franz von Sales, gehalten am 16. Juni.

¹) Nicht am 2. Dezember, wie man bisher allgemein annahm. Griselle Bourdaloue. I. 254. 1*