Aufsatz 
Zum Gedächtnis Schillers. Schulrede
Entstehung
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darauf kommt es an, ob ein Weſentliches ſeiner Gedanken und Schöpfungen durch die Jahrhunderte dauert und auf die unter andern Zeitbedingungen lebenden Geſchlechter noch zu wirken vermag, und wenn in dieſen dem Andenken Schillers geweihten Tagen auf jenen Brettern, die die Welt bedeuten, Menſchen⸗ und Völkerſchickſale, von des Dichters Hand geſtaltet, ſinnvoll an uns vorübergehen, dann wird uns wieder recht bewußt werden, was wir nie vergeſſen ſollten: daß die Dichtung nichts Größeres vollbringen kann als Weſen zu ſchaffen, an die wir glauben auch da noch glauben, wo ihnen vom Standpunkte einer realiſtiſchen Beurteilung allzuwenig Erdenſtoff und Erdenſchwere anzuhaften ſcheint, wo, nach einer feinen Bemerkung Wilhelm von Humboldts, das den Charakteren Schillers eigene Gepräge von Hoheit, Würde und Freiheit ihnen, auch wenn ſie durchaus naturwahr ſind, ein ſchwer zu beſtimmendes Etwas, einen gewiſſen Glanz verleiht, der ſie von eigentlichen Naturweſen unterſcheidet.

Es zieht im Geiſte an uns vorüber, jenes Geſtaltenheer, das der Schöpferruf des Dichters zum Licht und Leben erweckte.

Wir ſehen Karl Moor an der Donau gelagert, in den Anblick der untergehenden Sonne verſunken. Vor unſerm innern Blick erſcheint Fiesko, der blühendſchöne Jüngling mit dem wetterleuchtenden Blick, der ſo ſtolz und herrlich dahertritt, nicht anders, als wenn das durchlauchtige Genua auf ſeinen jungen Schultern ſich wiegte, und neben ihm diedüſtertrotzige Leidensgeſtalt des ſtahlharten, hochgeſinnten Republikaners Verrina. Wir treten ein in das niedrige Stübchen des alten grundbraven Muſikus Miller, und die Enge dieſes Stübchens weitet ſich zu einem mit unerhörter Kühnheit entworfenen Zeibilde, einem mit zornesheißem Herzen geſchaffenen Gemälde jener empörenden Zuſtände, wie ſie in den deutſchen Mittel⸗ ſtaaten des achtzehnten Jahrhunderts herrſchten.

Kommen wir von dieſem Bilde politiſchen und ſozialen Elends, wie erlöſend klingen dann an unſer Ohr die hinreißend beredten Worte des Marquis Poſa, desAbgeordneten der ganzen Menſchheit, jene hohen Worte von Menſchenadel und Menſchenglück, an denen ſich aufſtrebende Jugend begeiſtern wird, ſo lange es noch zu kämpfen gilt um die höchſten Güter und Rechte der Menſchheit gegen Mächte der Finſternis, gegen die Tyrannei der Unduldſamkeit, gegen die Feinde freier Geiſtesentwicklung, ſo lange der Geiſt Philipps, dieſesHenkersknechtes der Inquiſition noch auf dieſer Erde ſein Weſen treibt.

Wieder rauſcht der Vorhang empor. Iſt es der Modernſten einer, der das geſchaffen hat? Dieſe packende Milieuſchilderung eines Kriegslagers, in dem ſich Typus an Typus reiht, vom dummen ſpitz⸗ bübiſchen Kroaten, der ſich läßt ſchlachten, bis zum ideal geſinnten walloniſchen Küraſſier, der als Soldat ſich muß können fühlen, der ſein Handwerk edel und nobel treibt, und aus dieſer Umwelt empor⸗ wachſend er ſelbſt Wallenſtein,

Der Schöpfer kühner Heere,

Des Lagers Abgott und der Länder Geißel,

Die Stütze und der Schrecken ſeines Kaiſers,

Des Glückes abenteuerlicher Sohn,

Der, von der Zeiten Gunſt emporgetragen,

Der Ehre höchſte Staffeln raſch erſtieg

* Und, ungeſättigt immer weiter ſtrebend,

Der unbezähmten Ehrſucht Opfer fiel und durch dieſes Getriebe der Ehr⸗ und Herrſchſucht, durch eine Welt der Tücke und niedern Begierden, durch des Krieges rohe, verwilderte Horden ſchreiten in ſtrahlendem Glanze, Lichtgenien gleich, die beiden Lieblinge der deutſchen Jugend, Max Piccolomini und Thekla.

Immer neue Geſtalten drängen zu, hohe Frauen treten auf den Plan. Der Park von Fothering⸗ hay tut ſich auf: Eliſabeth, ſchroff und unzugänglich wiedie Felſenklippe, die der Strandende ver⸗ geblich ringend zu erfaſſen ſtrebt ſieht mit kalten Blicken verächtlichen Stolzes herab auf die im Staube knieende Nebenbuhlerin, Schottlands unglückliche Königin. Vor dem Zuge der Franken ſchreitet wie eine