Aufsatz 
Die stillen Freunde unserer Schüler. Eine gemeinsame Sorge für Schule und Haus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Dio Prüfung von Jugendschriften ist demnach keine leichte Arbeit; sie erfordert eindringende, überlegende Arbeit und An- strengung zumal bei der Unmasse schlechter und wertloser Jugend- schriften auf unserem Büchermarkte.

Aber diese Prüfung ist auch unabweisbare Elternpflicht, die wir Lehrer in jeder Beziehung zu unterstützen bereit sind. Unter keiner Beodingung dürfen unsere Kinder ein Buch in die Hände be- kommen, welches nicht vorher von den Eltern oder Lehrern geprüft wurde.Was nicht wert ist, daß es die Eltern durchsehen, ist gewiß auch nicht wert, den Kindern in die Seele gepflanzt zu werden. ¹)

§ 2. Wie verschaffen wir unsern Kindern das gute Buch?

Nachdem wir die Kennzeichen des guten Buches für die Jugend festgestellt haben, müssen wir Umschau halten nach den Quellen für gediegene Jugendlektüre. Diese sind aber nicht schwer zu entdecken.

Zunächst besitzen unsere Schüler in der Schülerbibliothek eine jeweilig ihrem Alter und Verständnis entsprechende Sammlung bester und lesenswertester Schriften. Und es bedarf seitens der Eltern nicht einmal der Mühe, sie durchzulesen, da die Schule die Prüfung auf den Gehalt der Bücher schon auf das Sorgfältigste besorgt hat.

Eine zweite Gelegenheit, gute Jugendschriften ins Haus zu schaffen, bieten die Volksbibliothneken, welche gegen geringen Ent- gelt solche verleihen. Allerdings müssen die dort entliehenen von den Eltern daraufhin durchgelesen werden, ob sie der Fassungskraft des Kindes entsprechen.

An dritter Stelle endlich muß in jeder Familie eine wenn auch nur kleine sorgfältig ausgesuchte Hausbibliothek sein, welche für jedes Familienmitglied etwas Gutes bietet. Die Kosten für eine solche sind recht bescheiden; wenn nur in jeder Woche der Betrag für die Lieferung eines Schundromanes: 10 Pfg. für diesen Zweck beiseite gelegt wird, so gewinnt man im Jahre 5,20 Mk., einen hinreichend hohen Betrag, um 612 recht gute Schriftwerke ins Haus zu schaffen.

Auf die richtige Auswahl hierbei weisen einmal gut empfohlene Bücherverzeichnisse hin, deren wir ja eines in jedem Jahre an die Schüler für die Eltern gegen Weihnachten verteilen; außerdem wiederhole ich, daß die Lehrer gern bereit sind, die Eltern bei dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen.

Wenn wir das Wort Herders bedenken:Ein Buch hat oft einen Menschen auf seine ganze Lebenszeit gebildet oder ver- dorben, so werden wir mit großem Ernste und dem notwendigen Gefühle unserer Verantwortlichkeit an die gewissenhafteste Prüfung jeglicher Lektüre unserer Kinder herantreten. Die strenge Be- aufsichtigung über das, was diese lesen, liegt nicht in unserem Belieben, es ist Eltern- und Erzieherpflicht.

²) Berthold Auerbach, Volksbücher, 2. Bd. S. 436.