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Zweites Kapitel. Das gute Buch.
§ 1. Was ist ein gutes Buch für unsere Jugend?
Bei der Auswahl der Jugendlektüre muß das Wort Goethes gelten:„Für Kinder ist das Beste gerade gut genug.“ Daher sollen folgende Grundsätze bei der Beurteilung von Inhalt, Form und Ausstattung der von unseren Kindern zu lesenden Bücher maß- gebend sein:
I. Der Inhalt des guten Buches.
1. Der Inhalt muß sittlich rein sein.
2. Die Schilderungen müssen der Wirklichkeit entsprechen und
3. sollen vorzugsweise geographische, geschichtliche und naturwissenschaftliche sein.
4. Die Handlung muß spannend und
5. reich an Ereignissen sein.
6. Die Charaktere müssen scharf gezeichnet und psychologisch wahr sein.
7. Die patriotische oder religiöse Tendenz darf nicht auf- dringlich, sondern muß künstlerisch verarbeitet sein.
8. Die kindliche Phantasie muß zwar angeregt, darf aber nicht durch den Inhalt überreizt werden.
II. Die Form des guten Buches.
Für die Form des guten Buches gilt als Hauptsatz:„Die Jugendschrift muß ein Kunstwerk sein.“ Daher müssen folgende Anforderungen an sie hinsichtlich der Form gestellt werden.
1. Die Handlung muß künstlerisch aufgebaut sein, d. h. sie muß sich um eine Person oder um eine Gruppe von Personen drehen, und alle Fäden der Erzählung müssen zu dieser einen Person oder zu der einen Gruppe von Personen hinleiten.
2. Die Sprache muß in jeder Beziehung mustergültig d. h. einfach, edel und klar sein.
3. Die Sprache, Gedanken und Empfindungen müssen dem Verständnis, der Veranlagung des Kindes entsprechen.
III. Die Ausstattung des guten Buches.
Der Druck muß genügend groß und gut lesbar sein.
Das Papier muß dauerhaft sein.
Der Einband muß geschmackvoll und dauerhaft sein.
Der Inhalt muß im Titel deutlich zum Ausdruck kommen. . Die Bilder sollen der lebendigen Anschauung dienen und müssen daher künstlerisch gut und wahr sein.
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