Aufsatz 
Die stillen Freunde unserer Schüler. Eine gemeinsame Sorge für Schule und Haus
Entstehung
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wird dann die jugendliche Phantasie entzündet, und es erwacht die verderbliche Neigung, auch solche wagehalsige Streifzüge zu unternehmen, zu Kampf und Streit, auf Raub und Entführung aus- zuziehen und als kühne Helden Ruhm und Ehre zu gewinnen. Wahrnehmungen dieser Art zu machen haben wir leider bei unseren eigenen Schülern wiederholt Gelegenheit gehabt, und die Tages- blätter berichten immer erneut von Fällen, wie jugendliche Gemüter durch Berührung mit solchen Erzeugnissen einer verwerflichen Literatur auf schlimme Wege und selbst mit dem Strafrichter in Konflikt geraten.

Wir haben beobachtet, daß ganz besonders gerne sogenannte Buffalo-Bill-Hefte, die sehr wenig empfehlenswert sind, u. ä. von unseren Schülern gekauft und gelesen werden. Wir ersuchen Sie auf's dringendste, alle erdenkliche Aufmerksamkeit darauf zu wenden, daß Ihr Sohn nichts erwirbt, kauft, leiht, was geeignet ist, seinen Geschmack zu schädigen, seine Phantasie ungesund zu erhitzen, sein sittliches Gefühl zu beeinträchtigen, sein Handeln ungünstig zu beeinflussen.

Die Eltern erweisen ihren Kindern durch solche sorgfältige und genaue Aufsicht einen Dienst nicht nur für die Schulzeit, sondern für's ganze Leben. Wir sind jederzeit bereit, ihnen mit Rat und Tat nach unseren Kräften beizustehen.

Auch in dem bereits erwähnten Aufsatze des Kunstwartes Kolportage-Tatsachen wird in treffender Weise von den gefähr- lichen Wirkungen der Schundlektüre gesagt:Daß sie oft Anreger von Verbrechen geworden sind, ist jetzt wiederholt festgestellt worden, aber solche einzelne gerichtlichen Feststellungen treffen ja immer nur diesen oder jenen zufällig hervorragenden Punkt, im wörtlichen Sinne tausend- und zehntausendfach häufiger sind die Schädigungen, die nicht gerade zur festgestellten Kriminalität führen. Die Phantasie der Leser wird mit Blut und Wollust ver- seucht, Blut und Wollust werden gleichsam zu Apperceptionskon- stanten ihres heimlichen Denkens und Fühlens. Der Sinn für feinere Genüsse wird erst beeinträchtigt, dann erstickt; nur das Gröbste und Roheste reizt noch, und höchstens eine süßliche Sentimentalität sorgt für den nötigen Kontrastreiz.... Was von den Kolportage- romanen gilt, ist in kaum geringerem Maße auch von den Buffalo- Bill-, Nick Carter- und Weltdetektivgeschichten u. s. w. zu sagen.

Schließlich muß noch auf die Gefahren, welche der Gesund- heit durch die geliehenen und zerlesenen Schundhefte drohen, hin- gewiesen werden. Haben doch die Hefte oft infolge des vielen Verleihens ein solch ekelhaftes Aussehen, daß es mir größte Ueberwindung kostete, die Hefte behufs der notwendigen Einsicht- nahme in die Hand zu nehmen. Mehrfach war ich genötigt, mit Handschuhen bewaffnet, der elenden Lektüre zu Leibe zu gehen.